Hertha BSC bringt vom gefürchteten Kaiserslauterer Betzenberg einen Punkt mit nach Hause. In einer Abwehrschlacht sicherten die Berliner gegen den bisherigen Spitzenreiter ein torloses Remis.Die 36 536 Zuschauer im "Fritz-Walter-Stadion" peitschten den Bundesligaabsteiger von der ersten Minute an nach vorn. Die Hertha-Abwehr sah sich sofort unter Druck. Kober und Sverrisson nahmen sich der Spitzen Rische und Kuka an. Die beiden Stürmer, die seit langem unter Ladehemmung leiden - Rische schoß seinen letzten Treffer am 9. Dezember 1995 und Kuka erzielte bislang nicht ein einziges Zweitligator - wollten es diesmal besonders gut machen. Dem tschechischen Nationalspieler, der am Mittwoch nach Verletzungspause beim 6:0-Länderspielsieg über Malta wieder erstmals über 90 Minuten mitwirkte, bot sich auch gleich die erste Chance der Begegnung überhaupt. Der Däne Schönberg hatte in der achten Minute glänzend in den Raum gepaßt und Kuka sah sich plötzlich allein vor Hertha-Keeper Fiedler. Doch Glück für die Gäste - der Tscheche schoß aus 14 Metern am Tor vorbei. Die Berliner wehrten sich, versuchten, sich nicht einschnüren zu lassen. Vor allem der junge Fährmann zeichnete sich bei den wenigen Kontern durch beherztes Engagement aus. Zuerst schickte er den schnellen Rraklli, der im Sturm an der Seite von Kapitän Kruse den Vorzug vor Preetz erhalten hatte, mit langem Paß auf die Reise. Doch der Albaner zielte über das Tor. Nach exakt einer halben Stunde zog Fährmann dann selbst ab; erneut aber brauchte der Lauterer Torhüter nicht einzugreifen. Der Schuß strich über die Querlatte.Otto Rehhagel muß die Pfälzer in der Pause noch einmal besonders motiviert haben. Angetrieben von den Ex-Nationalspielern Brehme und Wagner stürmten sie nun mit Mann und Maus auf das Tor der Berliner. Angriffswelle auf Angriffswelle schwappte auf Fiedler zu, doch der Nachwuchs-Auswahltorsteher zeigte sich als Turm in der Schlacht. Die Emotionen auf dem Rasen und auf den Rängen überschlugen sich, als Dinzey in der 60. Minute bei einem Abwehrversuch im Strafraum der Ball an die Hand prallte. Schiedsrichter Werthmann aus Iserlohn aber zögerte keine Sekunde: kein Elfmeter. Kapitän Brehmes überkochendes Temperament mußte mit einer Gelben Karte abgekühlt werden. In der 88. Minute schließlich hätte Dinzey das Spiel noch auf den Kopf stellen können. Nach guter Vorarbeit von Rraklli und Kruse hielt er voll drauf - doch Reinke bewahrte den Aufstiegsfavoriten vor der Niederlage. Lautern-Trainer Rehhagel zeigte sich anschließend sehr enttäuscht von der Generalprobe seiner Mannschaft vor dem Europapokal-Rückspiel in Belgrad: "Wir hatten 80 Prozent der Spielanteile, haben aber erneut reihenweise Chancen vergeben. Die Nullnummer lag nicht allein an Herthas 10:0-Deckung."Jürgen Röber dagegen jubelte: "Das war Fußball mit Leidenschaft, den meine Mannschaft gezeigt hat. Diesen einen Punkt haben wir uns redlich verdient. Besonders freut mich, daß die jungen Spieler wie Fährmann, Covic und die Schmidt-Brüder in diesem Hexenkessel die Nerven behielten." +++
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