1.-MAI-KRAWALLE - Die Linkspartei geht auf Distanz zum Anmelder der Autonomen-Demonstration. Bei der Polizei wird über schärfere Auflagen für das nächste Jahr nachgedacht. Die Organisatorin des "Myfestes" in Kreuzberg hört wieder mal auf.

Was wird aus dem Myfest?

Karin Schmidl
4 Min

Noch fehlen einigen Bus-Wartehäuschen am Kottbusser Tor die neuen Glaswände. Noch ist der Gehweg in Richtung Adalbertstraße kaputt. Steine und komplette Platten waren dort am Abend des 1. Mai von Chaoten ausgebuddelt und als Wurfgeschosse genutzt worden. Weitere größere Schäden seien im Kiez SO 36 rund um die Kreuzberger Oranienstraße bislang nicht gemeldet worden, sagte gestern der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg Franz Schulz (Grüne).Im Bezirk hat man mit der Analyse der Krawallnacht begonnen. Bei einem sind sich parteiübergreifend alle einig: Am Myfest, dem Straßenfest von Anwohnern und Händlern im Kiez, soll festgehalten werden. "Die Alternative hieße, dass wir die Straßen für flächendeckende Auseinandersetzungen frei machen, das wollen wir nicht", so Schulz. Mindestens 40 000 Besucher zeugten zudem von steigender Attraktivität des Festes. Zu groß und damit unbeherrschbar sei es nicht geworden: "Die Leute würden auch kommen, wenn es weniger Bühnen gäbe und das Areal kleiner wäre." Für den Grünenpolitiker steht fest: "Ich gehe davon aus, dass das Myfest so wie diesmal auch im kommenden Jahr stattfindet."Die Organisatorin des seit 2003 vom Bezirksamt veranstalteten Festes Silke Fischer sieht das etwas anders. Es sei "die Hölle" gewesen, sagte sie der Berliner Zeitung. Und dass Schluss sei mit "Friede, Freude, Eierkuchen", wenn Polizisten mit brennbarer Flüssigkeit übergossen würden. Fischer, die auch Vizechefin der Bezirks-SPD ist und die im Kiez wohnt, sagte, sie wolle kein Myfest mehr organisieren. Ähnlich hatte sie sich auch schon in den Vorjahren geäußert - und doch weitergemacht."Jetzt müssen alle Akteure, die sehr professionell gearbeitet haben, ihre Eindrücke erst mal sacken lassen", meinte der Bürgermeister. Das Fest zwischen Kottbusser Tor, Oranien-, Mariannen- und Heinrichplatz sei ein klarer Erfolg gewesen. So habe er zum Beispiel erstmalig bei jugendlichen Migranten keinen Drang zum Steinewerfen gespürt. "Die waren völlig entspannt und außerdem an der Naunynstraße mit Sportwettkämpfen beschäftigt." Für den Kreisvorstand der Grünen gab es überhaupt nur Erfolge. "Aus Straßenschlachten sind Scharmützel geworden", überschrieb die Partei ihre Einschätzung. Zwar sei die Intensität der Gewalt höher gewesen, so Boris Jarosch vom Vorstand: "Aber die Krawallmacher waren meist Zugereiste. Die Kreuzberger blieben gelassen und haben sich weder von Flaschenwürfen oder einzelnen brennenden Müllcontainern noch von der Polizei provozieren lassen."Doch es wird auch über Schwachstellen debattiert. "Wir müssen darüber reden, ob die 18-Uhr-Demo, die diesmal wesentlich größer war, über das Festgelände ziehen muss", sagte Schulz. Eigentlich sei die Route bewusst gewählt, um den politischen Charakter des Tages zu betonen. "Das geht aber nur, wenn der Aufzug gewaltfrei ist." Diesmal habe der "schwarze Block" nicht einmal auf Familien Rücksicht genommen. Dass Festbesucher vor Bühnen wie der am Heinrichplatz ungerührt weitertanzten, obwohl rechts und links von ihnen Polizisten in Kampfmontur Steinewerfer jagten, war für viele ein Phänomen. "Wir haben die Polizei gefragt, ob die Bühne nicht lieber abgebaut werden sollte", sagte der CDU-Politiker Kurt Wansner. Die Antwort lautete: "Bloß nicht, beim Abbau gäbe es nur Panik." Wansner wollte auf dem Myfest eigentlich einen CDU-Infostand aufbauen, nach anonymen Drohungen nahm er davon jedoch Abstand. "Kreuzberg ist für Demokraten zur No-go-Area geworden", sagte er. Ihn ärgerte auch, dass trotz anderslautender Ankündigungen erneut Glasflaschen auf dem Fest verkauft wurden. Kästenweise seien sie über Tresen gegangen, Straßen glasübersät gewesen. Wansner: "Geschäftemachen ging wieder mal vor Sicherheit."Bürgermeister Schulz hingegen hat "deutlich weniger Glas" ausgemacht. Die meisten Flaschen seien von außen mit aufs Fest gebracht worden. Zudem hätten sich nicht alle Händler an ihre Selbstverpflichtung gehalten, keine Flaschen zu verkaufen. Aber: "Im Großen und Ganzen hat auch dies funktioniert."------------------------------"Kreuzberg ist für Demokraten zur No-go-Area geworden. " Kurt Wansner, CDU-Politiker und Kreuzberger

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