Frankreich

„Verheerende Blamage“: So lief der siebenminütige Juwelencoup im Louvre

Vier maskierte Täter raubten im Louvre in nur sieben Minuten acht Stücke der französischen Kronjuwelen. Der spektakuläre Diebstahl offenbart gravierende Sicherheitslücken.

5 Min
Polizeibeamte suchen nach Hinweisen auf einen von Dieben benutzten Korbaufzug.

Polizeibeamte suchen nach Hinweisen auf einen von Dieben benutzten Korbaufzug.

© Thibault Camus/AP/dpa

Es war ein Coup, wie ihn selbst die Pariser Kriminalliteratur kaum erfinden könnte: In nur sieben Minuten und am helllichten Sonntagmorgen erbeuteten vier maskierte Täter aus dem Louvre in Paris acht Stücke der französischen Kronjuwelen. Der Überfall traf das berühmteste Museum der Welt mitten im Betrieb - kurz nachdem es seine Türen geöffnet hatte.

Gegen 9.30 Uhr hielten die Täter an der Seine-Seite des Gebäudes, dort, wo die Galerie d’Apollon liegt, in der die französischen Kronjuwelen ausgestellt sind. Mit einem Möbelaufzug, wie er sonst in Pariser Altbauten zum Transport sperriger Sofas benutzt wird, fuhren zwei Männer samt Werkzeug auf einen Balkon im zweiten Stock. Mit einem Akku-Trennschleifer schnitten sie ein Fenster auf, drangen in den Saal ein und bedrohten das anwesende Sicherheitspersonal mit ihren Tatwerkzeugen.

Louvre: Täter flüchteten mit Motorrollern

Dann zerschlugen sie zwei Vitrinen, griffen gezielt nach ausgewählten Schmuckstücken: Diademe, Broschen, Halsketten und Ohrringe. Anschließend flohen sie mit ihrer Beute auf zwei Motorrollern. Eine der geraubten Kronen, die der Kaiserin Eugénie aus dem 19. Jahrhundert, fiel bei der Flucht zu Boden und wurde später in beschädigtem Zustand auf der Straße gefunden.

Nach Angaben der Behörden war das Museum zu diesem Zeitpunkt bereits geöffnet, mehrere Besucher befanden sich in angrenzenden Sälen. Die Museumsleitung ließ den Louvre kurz darauf evakuieren, das Haus blieb am Sonntag und Montag geschlossen.

Mit diesem Möbelaufzug gelangten die Täter auf einen Balkon des Louvre.

Mit diesem Möbelaufzug gelangten die Täter auf einen Balkon des Louvre.

© imago

Ein Möbelaufzug, fünf Wachleute und viele offene Fragen

Wie es den Tätern gelang, mitten in Paris einen Möbelaufzug aufzustellen, unbemerkt ins Gebäude zu gelangen und mehrere Millionen Euro schweren Schmuck zu entwenden, löst in Frankreich heftige Debatten aus. Nach Angaben von Le Monde waren in dem betroffenen Bereich fünf Wachleute im Einsatz, die zwar Alarm auslösten, den Raub aber nicht verhindern konnten. Rund ein Drittel der Räume im Flügel war demnach gar nicht mit Kameras ausgestattet. Der örtliche Alarm in der Galerie d’Apollon soll Berichten zufolge zuletzt defekt gewesen sein.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

„Das gibt ein schreckliches Bild von Frankreich ab“

Innenminister Laurent Nuñez sprach von einer „verheerenden Blamage“ für Frankreich. „Jemand konnte einen Möbelaufzug mitten in Paris parken, Leute hinauffahren lassen, ein paar Minuten später mit Juwelen verschwinden - das gibt ein schreckliches Bild von Frankreich ab“, sagte er im Sender France Inter.

Der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand, der an mehreren großen Kunstraubfällen beteiligt war, nannte den Coup „eine Operation mit hoher Professionalität und fatalen Sicherheitslücken“. Gegenüber Sky News erklärte er: „So etwas dauert normalerweise Monate der Vorbereitung. Die Täter wussten genau, welche Stücke sie wollten, und dass sie in weniger als zehn Minuten wieder draußen sein mussten.“

Experte: Gestohlene Juwelen könnten für immer verloren sein

Brand warnte zudem, dass die geraubten Schmuckstücke kaum auf dem Markt verkauft werden könnten: „Diese Juwelen sind so bekannt, dass sie niemand offen anbieten kann. Wenn sie nicht im Auftrag eines Sammlers gestohlen wurden, werden sie wahrscheinlich zerlegt, das Gold eingeschmolzen, die Steine neu geschliffen. Danach sind sie für immer verloren.“

Für Frankreich ist der Raub nicht nur ein schwerer materieller Verlust, sondern auch ein Angriff auf das nationale Selbstverständnis. Präsident Emmanuel Macron sprach von einem „Anschlag auf unser Erbe“ und ordnete eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen an allen großen Museen an. Das Louvre-Management kündigte an, die geplante Sanierung des Gebäudes - ein Projekt im Umfang von bis zu 800 Millionen Euro - nun beschleunigt umzusetzen.

Dieses Foto zeigt die Krone der französischen Kaiserin Eugénie de Montijo (1826-1920). Die Täter ließen sie auf der Flucht offenbar fallen.

Dieses Foto zeigt die Krone der französischen Kaiserin Eugénie de Montijo (1826-1920). Die Täter ließen sie auf der Flucht offenbar fallen.

© AFP

Was im Louvre gestohlen wurde

  • Saphir-Diadem: Das „Saphir-Set“ der Königinnen Marie-Amélie und Hortense (19. Jahrhundert) ist mit 8 Saphiren und über 600 Diamanten besetzt.
  • Smaragd-Halskette und Ohrringe: Das Geschenk Napoleons I. an Kaiserin Marie-Louise besteht aus 32 Smaragde, 1138 Diamanten. Es wude von François-Régnault Nitot gefertigt.
  • Diadem der Kaiserin Eugénie: Es gehörte Kaiserin Eugénie, Gemahlin Napoleons III. und ist mit fast 2000 Diamanten besetzt.
  • Brosche („Korsagen-Schleife“) der Eugénie: Auch dieses Schmuckstück gehörte der Kaiserin Eugénie. Der Wert: „mehrere zehn Millionen Euro“.
  • Reliquien-Brosche: Sie wurde von Paul-Alfred Bapst 1855 für Kaiserin Eugénie gefertigt. Sie enthält historische Mazarin-Diamanten aus dem Besitz Ludwigs XIV.
  • Krone der Kaiserin Eugénie: Sie besteht unter anderem aus 1354 Diamanten und 56 Smaragde. Die Krone wurde beschädigt vor dem Louvre gefunden.
  • Goldene Bogen-Brosche: Ursprünglich eine Gürtelschnalle mit über 4000 Diamanten, später zu einem Schmuckstück umgearbeitet.
  • Perlendiadem der Eugénie: Es enthält 212 Perlen und fast 2000 Diamanten und ist eines der bekanntesten Stücke der Sammlung
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

weltbune Banner