Tierseuche

Vogelgrippe in ostdeutschen Bundesländern: Hunderttausende Tiere müssen getötet werden

In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg breitet sich die Vogelgrippe weiter aus. Tausende Wildvögel sind tot. Es gelten strenge Schutzmaßnahmen für Tierbetriebe.

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Hunderttausende Tiere in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind von der Vogelgrippe betroffen

Hunderttausende Tiere in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind von der Vogelgrippe betroffen

© Georg Moritz

In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind Hunderttausende Tiere von der Vogelgrippe betroffen. Vor allem bei Wildvögeln wie Kranichen, Puten und Enten wurde die auch als Geflügelpest bekannte Tierseuche festgestellt. In zwei Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern müssen insgesamt 150.000 Tiere gekeult werden, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Das entspricht demnach dem kompletten Bestand beider Betriebe. Ob dies bereits geschehe, beziehungsweise abgeschlossen sei, konnte ein Sprecher des Ministeriums nicht sagen.

Den Angaben zufolge ist eine Legehennenhaltung mit 93.000 Tieren in der Gemeinde Rothemühl im Landkreis Vorpommern-Greifswald an der Grenze zu Brandenburg betroffen und eine Legehennenhaltung mit rund 55.000 Tieren in der Gemeinde Poseritz auf Rügen im Landkreis Vorpommern-Rügen. Beide Betriebe hätten erhöhte Tierverluste gemeldet, woraufhin Proben entnommen worden seien. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) habe das hochpathogene aviäre Influenza-A-Virus (HPAIV) des Subtyps H5N1 bestätigt.

Tausende tote Tier in Brandenburg

Es ist bereits der fünfte Fall bei Geflügel in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Herbst. Im gesamten Jahr hatte es bislang neun Ausbrüche gegeben. Hinzu kämen in den vergangenen Tagen vermehrt Meldungen über tote Wildvögel, vorwiegend Kraniche, bei denen der Erreger nachgewiesen worden sei.

Auch im benachbarten Brandenburg löst ein erneuter Ausbruch der Geflügelpest wachsende Besorgnis aus. Bislang wurden insgesamt mehr als 9000 Enten und Puten als Folge der Tierseuche in zwei Beständen in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Potsdam-Mittelmark getötet. Auch Hunderte Kraniche in den Linumer Teichen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind an der Seuche gestorben. Helfer sammelten dort die toten Tiere ein.

„Schätzungsweise sind bereits bis zu tausend Kraniche verendet“, teilte der Naturschutzbund (Nabu) mit. Auch bei einer Wildgans im Trebbiner Ortsteil Glau (Kreis Teltow-Fläming) ist der für Vögel hoch ansteckende Erreger nachgewiesen worden. Brandenburg ist laut Bauernverband wegen vieler rastender Wildvögel extrem anfällig für die Geflügelpest.

Sicherheitszonen und Hygienemaßnahmen

Das FLI hat das Risiko für Ausbrüche in Geflügelhaltungen von „gering“ auf „hoch“ gesetzt und das für Wildvögel von „moderat“ auf „hoch“. Zwischen September und 20. Oktober wurden 15 Ausbrüche bei Geflügel in sieben Bundesländern registriert. Die hohe Zahl an betroffenen Geflügelbetrieben hängt laut FLI mit der aktuellen Wildvogeldichte und den -bewegungen zusammen. Der bislang größte betroffene Bestand mit 35.000 Tieren liegt in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem wurde der Erreger zuletzt in Kranichproben aus Sachsen-Anhalt und Thüringen nachgewiesen.

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Die Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern haben nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums entsprechende Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, in denen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen gelten. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald teilte zudem mit, dass wegen „der dynamischen Situation“, Geflügelhalter mit mehr als 5000 Tieren im gesamten Landkreis ihre Tiere aufstallen, also in geschlossenen Ställen oder unter Abdeckungen unterbringen müssen.

Auch in Brandenburg wurden solche Zonen mit einem Radius von bis zu zehn Kilometern ausgewiesen. Neben den geschlossenen Ställen und der Haltung abseits von Kontakt mit Wildvögeln gilt ein Transportverbot für Geflügel und Eier. Geflügelausstellungen und -märkte sind verboten. In Linum sind alle Führungen, um Kraniche an ihren Rastplätzen zu beobachten, abgesagt worden und es wird appelliert, nicht auf eigene Faust loszuziehen.

Bauernpräsident: „Weihnachtsbraten in Brandenburg ist nicht gefährdet“

Für Menschen ist die Vogelgrippe Experten zufolge hierzulande weitgehend ungefährlich. Dennoch empfiehlt das FLI, Kontakte mit erkrankten oder verendeten Wildvögeln zu meiden. Geflügelhaltern wird dringend empfohlen, Kontakte des Geflügels zu Wildvögeln zu minimieren und so das Risiko einer Einschleppung der Krankheit zu verhindern.

Ehemals war das Virus im Zusammenhang mit dem Vogelzug nur während der kalten Jahreszeit hierzulande präsent. Mittlerweile gibt es das ganze Jahr hindurch Nachweise, wenn auch mit saisonalen Schwankungen.

Bauernpräsident Henrik Wendorff plädierte zuletzt dafür, über neue Wege zum Schutz vor der Seuche zu diskutieren: Er bringt eine Impfung von Geflügel und eine Vergrämung von Zug- und Rastvögeln ins Gespräch. An anderer Stelle gibt Wendorff aber Entwarnung. Im November beginnt die Hochsaison für das Geschäft mit Gänsen und Enten, die traditionell rund um den Martinstag, dem 11. November, und Weihnachten auf den Tisch kommen. Es gebe für Verbraucher aber keinen Grund zur Panik, sagte Wendorff. „Der Weihnachtsbraten in Brandenburg ist nicht gefährdet.“

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