Attentäter von Magdeburg

Magdeburger Weihnachtsmarkt-Anschlag: „Ich habe mit Absicht angegriffen“

Am zweiten Prozesstag erklärt der Angeklagte, dass er im Hungerstreik sei. In seiner weiteren Aussage schildert er seine Anschlagsplanung.

3 Min
Der Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen wird in den Saal des temporären Gerichtsgebäudes des Landgerichts Magdeburg geführt. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Saudi-Arabien versuchten Mord in 338 Fällen vor.

Der Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen wird in den Saal des temporären Gerichtsgebäudes des Landgerichts Magdeburg geführt. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Saudi-Arabien versuchten Mord in 338 Fällen vor.

© Hendrik Schmidt

Im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat der Angeklagte die Planung der Tat eingeräumt. Er habe den Angriff vor 16 Monaten geplant, sagte Taleb A. vor dem Landgericht Magdeburg. „Ich habe mit Absicht angegriffen.“ Am gestrigen Prozessauftakt hatte er bereits die Tat gestanden und eingeräumt, am Steuer des Tatwagens gesessen zu haben. Bei dem Anschlag wurden sechs Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Der Angeklagte erklärte im zweiten Prozesstag, er sei seit gestern im Hungerstreik. „Ich will das drei Wochen machen. Man erwartet keine körperlichen Schäden“, sagte Taleb A. Der Vorsitzende Richter zeigte sich von der Ankündigung unbeeindruckt. „Sie haben es nicht in der Hand, durch Hunger- oder Durststreik die Verhandlung zu verzögern oder zu torpedieren“, betonte Richter Dirk Sternberg. Da die Anklage verlesen sei und der Angeklagte Gelegenheit hatte auszusagen, könne die Verhandlung auch ohne ihn fortgesetzt werden.

Nach Aussage des Angeklagten habe er Magdeburg zwischen August 2023 und Dezember 2024 mehrfach besucht, um seine Tat vorzubereiten. Ursprünglich wollte er eine „Sprengattacke“ auf die Staatsanwaltschaft mit Gaszylindern verüben. Doch diesen Plan habe er ebenso verworfen wie einen Angriff auf ein Café, wie auch die Zeit berichtet.

„Entweder verlasse ich Deutschland oder ich greife an“

Am Tag des Anschlags sei er dann „kalt wie Eis“ gewesen und habe das Gefühl gehabt, „dass er etwas Schreckliches mache“. Er sei davon ausgegangen, dass die Polizei ihn erschieße.

Taleb A. begründete den Anschlag damit, Aufmerksamkeit für ihm wichtige Anliegen zu erzeugen, etwa den Schutz saudi-arabischer Frauen. „Ich wollte einfach, dass die Welt mich hört, dass wir leiden, dass wir verfolgt werden“, sagte der ursprünglich aus Saudi-Arabien stammende Mann. Er inszeniert sich als Kritiker des saudi-arabischen Regimes und des Islams. „Es gab nur zwei Wege: Entweder verlasse ich Deutschland oder ich greife an“, sagte A. Dann habe er „einfach Gas gegeben“.

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Auch am zweiten Prozesstag verlor sich der Angeklagte in ausufernden Ausführungen zu den konkreten Tatvorwürfen. Immer wieder referierte er zu seinen philosophischen und religiösen Ansichten. Auch beschwerte er sich über deutsche Behörden. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht in der „Unzufriedenheit und Frustration“ des Angeklagten über den Ausgang von Rechtsstreitigkeiten und die Erfolglosigkeit eigener Strafanzeigen das Tatmotiv für den Weihnachtsmarktanschlag.

Während des Prozesses wird Taleb A.von einem psychiatrischen Gutachter beobachtet. Er soll sich ein Bild von ihm machen und unter anderem die Schuldfähigkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt beurteilen. Dieser verweigerte bisher Gespräche mit dem Sachverständigen. Der Angeklagte arbeitete selbst als Psychiater im Maßregelvollzug Bernburg mit psychisch erkrankten Straftätern. Im Fall einer Verurteilung droht ihm nun selbst eine lebenslange Sicherungsverwahrung.

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