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„Zum Glück fahren wir nicht in dem Wagen vor uns mit“, ruft die Frau Mitte siebzig auf dem Beifahrersitz des Patiententransporters. Sie ist eine Mitpatientin der ambulanten Reha-Maßnahme, an der ich nach einer Hüftgelenks-OP teilnehme, und deutet mit ihrer Gehhilfe auf eine schwarze Grieneisen-Karosse vor uns auf der Straße. „Wieso Glück?“, widerspricht jemand, „in dem Leichenwagen ist sicher mehr Platz als in dieser Sardinenbüchse. Und von dem Ruckeln würde man ja nichts mehr merken.“
Der Mann hat recht. Dicht gedrängt sitze ich, zusammen mit einem knappen Dutzend anderer Nachsorge-Patienten zwischen 18 und 80, in dem Transporter, der uns zur Reha-Einrichtung ruckelt. Während der Fahrt stoße ich mehrfach mit meinem lädierten Bein seitlich und vorne an, und ich spüre, dass die Wunde stellenweise wieder anfängt, zu nässen. Wenig später an diesem ersten Tag meiner Reha wird mir die zuständige Verwaltung der Einrichtung erklären, sie sei für den Fahrdienst nicht zuständig und habe darauf keinen Einfluss.
Nach der OP wurde dem Patienten lediglich ein Taxi bestellt.
© Engin Akyurt/unsplash
Die Kommunikation funktioniert an keiner Stelle
Genau hier beginnt es nach meiner Erfahrung typisch zu werden: Das Exemplarische besteht in der mangelnden Verbundenheit zwischen verschiedenen Komponenten der Gesundheitsversorgung. Konkret zwischen ambulanter und stationärer Behandlung, also den Einrichtungen Arztpraxis, Krankenhaus und Reha. Oder sogar zwischen den unterschiedlichen Bereichen einer einzigen Einrichtung. Und nicht zuletzt in mangelnder oder mangelhafter Kommunikation mit dem „Patientenstamm“. Sicher, kein Geld, kein Personal im Gesundheitsbereich. Aber das erklärt nicht alles, vielleicht noch nicht einmal den Kern des Problems.
In meinem Fall begann es damit, dass es nicht begann. Die Klinik, in der mein behandelnder Orthopäde Betten für seine Patienten belegte, hätte mir den genauen Operationstermin mitteilen müssen. Hätte. Letztlich musste ich ihn mir selbst erfragen, um mir anzuhören, dass die Praxis den Termin längst mitgeteilt bekommen habe. Die Praxis, nicht ich. „Vor Wochen.“ Schön, dass ich das nun ebenfalls erfuhr.
Schweigen wir von der OP, erwähnt sei nur, dass sie knapp viereinhalb und nicht die in Aussicht gestellten „höchstens anderthalb“ Stunden dauerte. Sicher ein Einzelfall unter den laut deutschem Endoprothesenregister etwa 200.000 Hüftgelenksoperationen in Deutschland.
Krankentransport im stickigen Taxi
Hoffen wir stattdessen, dass nicht typisch für alle Patienten ist, was in meinem Fall nach der OP geschah: Überraschenderweise orderte man vonseiten der Klinik am Tag der Entlassung nicht wie angekündigt einen Krankentransporter für mich, sondern ein ganz normales Taxi. Nein, eigentlich nicht mal das, denn das gerufene Taxi verfügte zwar über jede Menge abgestandenen Zigarettenqualm, nicht jedoch über funktionierende Sicherheitsgurte, wie sich herausstellte, als wir uns per Kickstart schon mitten im Verkehr befanden. Mein Kreislauf, vorher noch schwach und lahm, schoss in die Höhe. Während ich mit rechts krampfhaft mein operiertes Bein zu schützen versuchte, klammerte ich mich mit links an das lose Ende des Sicherheitsgurts.
Zwei Wochen Zeit, um mich davon zu erholen. Dann die schon erwähnte Nummer mit der Sardinenbüchse als Fahrdienst zur Reha-Einrichtung. Auf den ich schon am Folgetag verzichtete, damit sich meine OP-Wunde wieder schließen konnte. Jede Fahrt mit U- und S-Bahn fühlte sich danach wie ein Wochenendausflug an. Dank an dieser Stelle auch an den Kontrolleur, der darauf verzichtete, dass ich meine Krücken wegwarf, um ihm im Stehen meinen Fahrschein zu zeigen.
Unser Autor benutzte nach seiner Erfahrung mit dem Fahrdienst lieber wieder die öffentlichen Verkehrsmittel.
© Alex Wendpap/unsplash
Vorlesung statt Lymphdrainage
In der Reha erklärte mir eine Mitarbeiterin die Abläufe. Sie muss mich für schwerhörig gehalten haben, dabei lag es an ihrem Mund voller Kaugummi, dass ich sie kaum verstand. Ich unterschrieb rasch einen Stapel Papiere, um endlich der Ärztin meine nässende Wunde zu zeigen. Während sie die Narbe trockenlegte, fragte sie, ob ich mir die spezielle OP-Methode (Oberflächenprothese) selbst ausgesucht, oder ob mich mein Orthopäde dazu überredet habe. Sie schien mich für so oberflächlich zu halten wie das arthritische Material, das aus meinem Hüftgelenk entfernt worden war.
Zu den mich anfangs sehr beunruhigenden postoperativen Phänomenen gehörte mein auf mindestens doppelten Umfang angeschwollener Oberschenkel. Doch statt in die manuelle Lymphdrainage wurde ich spontan zu einem Vortrag über Stressreduktion umdirigiert, der im Kern dazu aufforderte, den Stress zu reduzieren. Ein Missverständnis zwischen medizinischer und Verwaltungsabteilung, das sich korrigieren ließ.
Zur Regel wurde dennoch die Behandlung durch den Lymphomat, ein Gerät, ähnlich einer beinlangen, pulsierenden Windhose, die um den Oberschenkel gelegt wird, um die Lymphe aus dem Gewebe pressen. Der junge Mann, der mich damit versorgt hatte, verschwand und kehrte nicht wieder. Er ging wohl davon aus, dass mich ein Kollege oder eine Kollegin aus der Lymphomat-Hose befreien würde.
Ich tat mein Bestes, um von meiner Pritsche aus irgendjemanden auf dem Flur (oder sonst wo) herbeizurufen, was schließlich gelang. Später erklärte mir eine Physiotherapeutin außerhalb der Einrichtung, dass eine solche Behandlung keinen Effekt habe, wenn man nicht zuvor bestimmte Triggerpunkte am Körper manuell behandle. Dem Lymphomat war das egal, mit ihm sprach man so wenig über fachliche Details wie mit mir, er presste, was er konnte.
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Zum Eklat kam es dann eines Tages in einer Trainingshalle voller Sportgeräte. Die Verwaltung der Einrichtung behauptete zu meiner Überraschung, ich nähme meine Termine kaum wahr, und eine erboste Angestellte versuchte mir dies anhand einer Anwesenheitsliste nachzuweisen wie eine Miss Marple auf Speed. Das Ganze stellte sich als ein multiples Kommunikationsversagen heraus, eine Miss- und Unverständniskette zwischen mir und dem Therapeuten, dem Therapeuten und der Verwaltung, der Verwaltung und mir, und von uns allen mit der ominösen Liste. Sage niemand, es sei dabei um nichts gegangen, denn man drohte mir bereits die Beendigung der Maßnahme an, und die Fahrtkosten (U- und S-Bahn, die ich wegen des verweigerten Fahrdienstes selbst auslegte) hätte ich zum großen Teil nicht ersetzt bekommen.
Fazit: Die Arztpraxis spricht sich nicht mit der Klinik ab, und diese sich nicht mit mir. Der Fahrdienst macht krank durch Transport, und niemand erklärt sich erkennbar für ihn zuständig. Die Reha-Einrichtung stellt die OP-Methode des Arztes infrage, nicht aber die mechanische Behandlungsform, die sie selbst durchführt, Stichwort „Lymphomat“. Eine papierne Anwesenheitsliste ersetzt nicht fehlende Absprachen zwischen Therapie- und Verwaltungsteam, und auch die digitale Kommunikation ist nicht automatisch Teil der Lösung: Selbst nach dem offiziellen Ende der Maßnahme schickt mir die Reha-Einrichtung weiterhin Nachrichten, in denen sie mir vorwirft, die Termine nur unregelmäßig wahrzunehmen.
Herbert Beckmann, Jg. 1960, geb. in Ahaus (Westf.), lebt seit über 40 Jahren in Berlin. Er arbeitet als Psychologe und Autor, schreibt für Kinder und Erwachsene, zuletzt erschien von ihm der Roman „Hoher Himmel, nichts als Blau“ (Fischer Verlag 2025).
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