Brasilien empört

„Unglücklich und arrogant“: Merz sorgt mit Aussage über Belém für Eklat in Brasilien

Ein Kommentar des Kanzlers über seinen Besuch bei der Weltklimakonferenz in Belém kommt in Brasilien nicht besonders gut an. Umweltminister Schneider versucht, den Schaden zu begrenzen.

4 Min
Bundeskanzler Friedrich Merz. Er hat mit einem Kommentar über seinen Beruch in Belém in Brasilien für Aufregung gesorgt.

Bundeskanzler Friedrich Merz. Er hat mit einem Kommentar über seinen Beruch in Belém in Brasilien für Aufregung gesorgt.

© dts Nachrichtenagentur/imago

Eine Andeutung von Bundeskanzler Friedrich Merz über Belém, den Ausrichtungsort der COP30-Weltklimakonferenz, hat in brasilianischen Medien für Empörung gesorgt. Auch örtliche Politiker äußern sich nun vermehrt in den sozialen Medien. Sie empfinden die Äußerungen des Kanzlers als respektlos.

Merz hatte in der vergangenen Woche kurz nach seiner Rückkehr vom Klimagipfel in Belém die brasilianische Stadt auf dem Handelskongress in Berlin genutzt, um zu illustrieren, dass die Deutschen „in einem der schönsten Länder der Welt“ lebten.

Er habe einige Journalisten, die ihn nach Brasilien begleitet hätten, gefragt, wer denn gerne dort bleiben wolle. „Da hat keiner die Hand gehoben. Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind“, schilderte Merz in seiner Rede vor Unternehmern.

Brasilianische Politiker und Medien reagieren empört

Nach und nach wurden brasilianische Medien auf diese Äußerungen aufmerksam und berichteten darüber. Die Worte des Kanzlers wurden als despektierlich und überheblich bewertet. Mittlerweile haben auch brasilianische Politiker reagiert. „Es ist schon kurios, dass jemand, der zur globalen Erwärmung beigetragen hat, die Hitze im Amazonasgebiet als seltsam empfindet“, schrieb der Gouverneur des Bundesstaates Pará, Helder Barbalho, im Onlinedienst X. Die „voreingenommene Rede“ von Merz verrate „mehr über den Redner als über das Thema seiner Rede“.

Beléms Bürgermeister Igor Normando kommentierte in einer Botschaft auf X: „Leider verbreitet der deutsche Kanzler in seiner Rede Vorurteile und Arroganz, ganz anders als sein eigenes Volk, das auf den Straßen von Belém seine Faszination für unsere Stadt zeigt.“

Gouverneur Barbalho forderte „weniger Versprechen“ und mehr „konkrete Unterstützung für diejenigen, die die Wälder schützen“. Brasilien mit seinen riesigen Urwäldern am Amazonas hat bei der COP30 einen Schutzfonds für tropische Wälder, den sogenannten TFFF, auf den Weg gebracht. Merz hatte dafür in seiner Rede in Belém einen „namhaften“ Betrag zugesagt, nannte aber zur Enttäuschung vieler keine konkrete Summe.

Belém: Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt in Favelas

Belém wurde vom Gastgeberland Brasilien als Ausrichtungsort für die COP30 ausgewählt, weil die Stadt an der Amazonas-Mündung liegt und somit der Waldschutz als wichtige Klimaschutzmaßnahme mehr Aufmerksamkeit bei den internationalen Verhandlungen bekommt.

Belém ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pará. In der Stadt, in der ein schwül-warmes Tropenklima herrscht, leben 1,4 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte davon in armen und dicht besiedelten Stadtvierteln, die in Brasilien als Favelas bezeichnet werden. Das ist laut dem Brasilianischen Institut für Geographie und Statistik die höchste Quote unter den brasilianischen Metropolen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Vorab war vielfach kritisiert worden, dass Belém für die insgesamt rund 44.000 Teilnehmer der COP30 nicht genügend Übernachtungsmöglichkeiten bietet. Die Hotelpreise während der zweiwöchigen Konferenz seien horrend. Brasiliens Staatschef Lula verteidigte die Entscheidung für die Amazonas-Stadt jedoch immer. „Wir wollen, dass die Leute die wirkliche Situation der Wälder, unserer Flüsse, der Völker, die hier leben, sehen“, sagte er vor der Weltklimakonferenz.

„Viva Amazonia“: Schneider lobt Brasilien nach Merz-Fauxpas

Bundesumweltminister Schneider nutzte seine Reise nach Belém am Wochenende, um vor seiner Beteiligung an den Verhandlungen die Stadt und ihre waldreiche Umgebung kennenzulernen und mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

In seiner Rede vor dem Konferenzplenum am Montag lobte Schneider den COP-Gastgeber eingangs ausdrücklich. „Und die großartigen Menschen Brasiliens haben mich mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft schon für sich eingenommen“, fügte er in seiner auf Englisch gehaltenen Rede hinzu, bevor er zum Schluss die Gastgeber-Region mit den Worten „Viva Amazonia“ hochleben ließ.

Sprecher der Bundesregierung äußert sich in brasilianischen Medien

Auch ein Sprecher der Bundesregierung äußerte sich nach dem Eklat gegenüber CNN Brasil, offenbar um Schadensbegrenzung zu betreiben. „Während seines kurzen Besuchs in Belém erläuterte Bundeskanzler Friedrich Merz die neue Klimapolitik der Bundesregierung, sagte einen bedeutenden Beitrag zum Forstfonds zu und führte ein produktives und zukunftsorientiertes Gespräch mit dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva“, zitiert das Nachrichtenportal den deutschen Sprecher.

In der Erklärung habe es außerdem geheißen, der Kanzler bedauere, die Amazonasküste nicht besucht und die „atemberaubende Naturschönheit der Region“ nicht selbst erlebt zu haben. Der Sprecher betonte ferner, Merz habe Brasilien als wichtigen Partner Deutschlands bezeichnet.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

weltbune Banner