Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat faszinierende neue Bilder der Coloe-Fossae-Region auf dem Mars veröffentlicht, die Spuren einer Eiszeit auf dem Roten Planeten offenbaren. Die Aufnahmen der High Resolution Stereo Camera an Bord der Mars Express Sonde zeigen eine Landschaft, die von tiefen Tälern und Oberflächenstrukturen geprägt ist, die für eine Eiszeit typisch sind.
Die annähernd parallelen Linien, die diagonal durch die Bilder verlaufen, sind als Coloe Fossae bekannt. Dabei handelt es sich um Strukturen, die entstanden, wenn abwechselnd Blöcke des Oberflächenmaterials absackten.
Auch Einschläge aus dem All
Die Region weist auch zahlreiche Krater auf, die durch den Einschlag von Gesteinsbrocken aus dem All geformt wurden. Sie variieren stark in Form und Alter: Einige sind scharf umrissen, andere erodiert, manche überlappen sich, und wieder andere sind teilweise begraben.
Auf den Böden vieler Täler und Krater sind wirbelnde, gerillte Muster zu erkennen, die verraten, wo sich einst in einer früheren Mars-Eiszeit Eismaterial bewegte. Diese markanten Texturen geben Aufschluss über das einstige Klima des Roten Planeten.
Täler und Krater
Wissenschaftler bezeichnen sie als „lineated valley fill“ (in Tälern) oder „concentric crater fill“ (in Kratern). Sie entstanden, als sich langsam fließende Eis-Gesteins-Gemische über die Oberfläche bewegten - ähnlich wie Gletscher auf der Erde - und schließlich von einer dickeren Schicht felsigen Materials bedeckt wurden.
Doch die Coloe-Fossae-Region liegt auf 39° nördlicher Breite, weit entfernt vom Nordpol des Mars (bei 90°N). Wie kam es dann hier zur Ansammlung von so viel Eis? Die Erklärung liegt im wiederholten Vorstoß und Rückzug von Gletschern während einer wohl lange zurückliegenden Mars-Eiszeit.
Heute ist der Mars trocken
Obwohl der heutige Mars trocken ist, hat er im Laufe seiner Geschichte abwechselnd wärmere und kältere Phasen durchlaufen, mit Zyklen von Gefrieren und Tauen, die hauptsächlich durch Veränderungen der Achsenneigung des Planeten angetrieben wurden.
Während der Kaltzeiten breitete sich das Eis von den Polen bis in die mittleren Breiten aus. Als die Temperaturen wieder anstiegen, zog sich das Eis zurück, hinterließ aber deutliche Spuren.
Strukturen auf ganzem Planeten
Die typischen Strukturen treten durchgängig in diesem gesamten Breitenbereich des Mars auf, was darauf hindeutet, dass der Planet einst eine globale Klimaverschiebung erlebte. Das Gebiet der Coloe Fossae könnte noch vor einer halben Million Jahren von Eis bedeckt gewesen sein – am Ende der jüngsten Eiszeit des Mars.
Diese Indikatoren für vergangene Gletscheraktivität sind zusammen mit den Coloe Fossae und den umliegenden Kratern auf den annotierten Bildern zu sehen. Die Trennung zwischen den nördlichen und südlichen Gebieten des Mars tritt besonders in den topografischen und Kontextkarten hervor.
Scharfes Profil läuft um Planeten
Diese Grenze umrunden den gesamten Planeten; an manchen Stellen bildet sie eine scharfe, zwei Kilometer hohe Geländestufe, an anderen, wie hier, erscheint sie als breite und stark erodierte Übergangszone (bekannt als Protonilus Mensae).
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Anzeichen für „lineated valley fill“ und „concentric crater fill“ wurden auch schon im August-Bericht der Mars Express Mission über Acheron Fossae hervorgehoben. Die neuen Aufnahmen der Coloe Fossae Region liefern nun weitere faszinierende Einblicke, wie vergangene Eiszeiten die Marsoberfläche geformt und verändert haben – und tragen so zum Verständnis der komplexen Klimageschichte unseres Nachbarplaneten bei.
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