Der charakteristische Zweiklang beim Schließen der Türen ist für viele Berliner S-Bahn-Pendler ein vertrauter Klang. Doch der vertraute Ton wird bald verschwinden. Schuld daran ist eine EU-Verordnung. Diese legt die technischen Spezifikationen zur Barrierefreiheit im Bahnverkehr fest. Danach sind für Neufahrzeuge ein schnell pulsierendes akustisches Warnsignal mit sechs bis zehn Impulsen pro Sekunde vorgeschrieben. Auch Frequenz und Lautstärke sind genau geregelt, was den Spielraum für individuelle Lösungen wie den Berliner Zweiklang stark einschränkt.
Seit 2021 hat sich das akustische Bild verändert: Die neuen S-Bahn-Züge der Baureihen 483 und 484 nutzen statt des Zweiklangs ein schnelles Piepen. Für viele Fahrgäste klingt dieses Signal ungewohnt, manche empfinden es als zu aufdringlich
Die EU-Richtlinie ließ kaum Raum für Kreativität, wie ein S-Bahn-Sprecher verkündet. Professor Markus Hecht, bis September Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge an der TU Berlin, weist allerdings darauf hin, dass die Verordnung zwar keinen Melodieverlauf vorschreibt, konkrete Vorgaben aber einen eigenen Ton kaum erlauben. Die S-Bahn Berlin habe ihren charakteristischen Zweiklang daher nur aus regulatorischen Gründen abgeschafft.
Zweiklang-Ton wurde in der DDR entwickelt
Die älteren Züge mit dem Zweiklang genießen weiterhin Bestandsschutz und dürfen bis zum Ende ihrer Einsatzdauer mit dem alten Signal fahren. Aufgrund von Verzögerungen im Ausschreibungsverfahren für neue S-Bahn-Teile werden die modernisierten Wagen der Baureihe 481, rund 1000 Fahrzeuge, noch bis in die 2030er-Jahre im Einsatz bleiben – samt des bekannten Zweiklangs.
Entwickelt wurde das Signal Ende der 1970er-Jahre von Gerhard Iben, damals Betriebsingenieur im Reichsbahnausbesserungswerk Schöneweide. Als die Deutsche Reichsbahn für die Ost-Berliner S-Bahn ein akustisches Warnsignal suchte, entwickelte Iben gemeinsam mit Kollegen den heute legendären Zweiklang, der 1986 eingeführt wurde und bis heute in den meisten Zügen erklingt. Mit der Baureihe 481, den ersten nach der Wiedervereinigung gebauten S-Bahnen, fand das Signal auch in die neuen Züge Einzug.
Der markante Sound wurde nicht nur zum Alltagsbegleiter, sondern auch Teil der Popkultur: 2008 verwendete DJ Paul Kalkbrenner das Türgeräusch für seinen Song „Train“, der im Film „Berlin Calling“ weltweit bekannt wurde.
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