Wirtschaft

Insolvenz in Leuna: Krise der ostdeutschen Chemieindustrie spitzt sich zu

Tochterfirmen des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals in Leuna und Premnitz haben Insolvenz angemeldet. Die Regierung in Sachsen-Anhalt verspricht Unterstützung.

Kai Kleinwächter dpa
2 Min

Drei deutsche Tochtergesellschaften des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals haben Insolvenz angemeldet. Betroffen sind insgesamt 585 Beschäftigte an den Standorten Leuna in Sachsen-Anhalt und Premnitz in Brandenburg.

Die Produktion läuft nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Lucas Flöther zunächst uneingeschränkt weiter. Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien für drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert. Für eine Stabilisierung der Unternehmen wären sowohl eine Investorenlösung als auch Vereinbarungen mit den Gläubigern möglich. Die deutschen Domo-Gesellschaften zählten technologisch zur Spitze ihrer Branche, sagte Flöther. Zuletzt scheiterten jedoch Gespräche über eine weitere Finanzierung.

Am Standort Leuna arbeiten der Mehrzahl der Beschäftigten, darunter rund 480 bei der Domo Caproleuna GmbH. In Premnitz sind etwa 70 Mitarbeiter bei Domo Engineering Plastics tätig. Die Unternehmen stellen unter anderem Polymere, technische Kunststoffe und Hochleistungsfasern her, die vor allem in der Automobilindustrie, im Bauwesen sowie in der Elektro- und Elektronikbranche eingesetzt werden.

Sachsen-Anhalt versucht Insolvenz in Leuna zu verhindern

Die Insolvenz sorgt auch in der Region für Sorge um mögliche Folgewirkungen. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) erklärte, man arbeite daran, negative Auswirkungen auf Zulieferer und andere Unternehmen zu verhindern. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter, der Chemieparkgesellschaft Infra-Leuna und der Investitionsbank Sachsen-Anhalt suche das Land nach Lösungen, um die Produktion in Leuna zu sichern.

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Der Fall Domo steht exemplarisch für die schwierige Lage der Chemieindustrie in Deutschland. Hohe Energiekosten, Materialknappheit und ein verschärfter internationaler Wettbewerb belasten die Branche. Besonders energieintensive Betriebe in Ostdeutschland kämpfen mit dauerhaft höheren Gaspreisen und fehlender Planungssicherheit, nachdem frühere Pipeline-Lieferungen weggefallen sind. Branchenvertreter warnen, dass viele Anlagen nur noch mit reduzierter Auslastung betrieben werden.

Die chemische Industrie zählt zu den Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft. Allein in der chemisch-pharmazeutischen Industrie Ostdeutschlands arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE rund 63.000 Menschen. Entsprechend groß sind die Befürchtungen, dass weitere Einschnitte ganze Regionen treffen könnten.

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