Ab Montag treffen sich in Davos einige der weltweit vermögendsten Menschen, um über die globale Zukunft zu diskutieren. Laut Bloomberg gehören unter anderem die Chefs von BlackRock, Nvidia und The Citadel „zu einer Gruppe von Milliardären mit einem Gesamtvermögen von 531 Milliarden US-Dollar, die nächste Woche an der jährlichen Pilgerfahrt der Reichen und Mächtigen in die Schweizer Alpen teilnehmen werden“. Sie werden neben „führenden Bankern, Politikern und mehr als einem Dutzend weiterer Milliardäre“ im Programm des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos aufgeführt.
Merz, die Kernenergie, der Stromausfall
Am Mittwoch soll der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, sprechen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz, früher Regionalmanager bei BlackRock, wird erwartet. Die Diskussionsthemen der 56. Auflage des Forums reichen von Schulden und Inflation bis hin zu Kernenergie und Künstlicher Intelligenz.
Merz hat vor dem Treffen schon einmal sicherheitshalber signalisiert, dass Deutschland einen Fehler begangen habe, als es aus der Kernenergie ausstieg. Zur Künstlichen Intelligenz dürfte Deutschland dagegen weniger beizutragen haben: Zu Neujahr hat sich gezeigt, dass die natürliche Intelligenz der politisch Verantwortlichen hierzulande nicht ausreicht, um einen fünftägigen Stromausfall in Teilen der Bundeshauptstadt zu verhindern. Während in den USA den Anbietern von Datenzentren erlaubt wird, ihren Strom selbst zu produzieren und sogar ins Netz einzuspeisen, wird in Berlin Unternehmern, die Datenzentren errichten wollen, die Genehmigung für den Bau verweigert – mit der Begründung, der Staat könne leider die Stromversorgung nicht garantieren.
Wohlstand mehren
Gerade die etwas apathisch gewordenen Staaten Westeuropas dürften mit Interesse auf die Beratungen blicken. Denn die Reichen von Davos sind auch einflussreich, zumal ihre erste Priorität darin besteht, den Wohlstand zu mehren. Die großen internationalen Finanzunternehmen können sich einen Blindflug nicht leisten.
Alles auf Rüstung
Das Programm von Davos zeigt deutlich, wie sich die Prioritäten verschieben: Noch vor wenigen Jahren drehte sich alles um den Klimawandel und die Folgen, jetzt ist das Thema nur noch in Teilaspekten vertreten. Im Vorfeld der Tagung hat das WEF am Freitag seinen „Ausblick der Chefökonomen“ veröffentlicht. Der Bericht basiert auf ausführlichen Beratungen und Umfragen mit Chefökonomen der wichtigsten Unternehmen aus der Privatwirtschaft und zentralen Institutionen aus dem öffentlichen Sektor.
Die Kernfrage lautet wie immer bei solchen Zusammenkünften: Wohin fließt das Geld der Steuerzahler, und wie werden die verschiedenen Projekte finanziert? In diesem Jahr ist der Trend eindeutig: Die größten Summen werden im Rüstungssektor erwartet. Die neuen Rekorde bei den Militärausgaben haben Folgen, so der Bericht: „Abgesehen von Verteidigung, digitaler Infrastruktur, Energie und teilweise Gesundheit erwartet die Mehrheit der befragten Chefökonomen in den nächsten fünf Jahren keine höheren Ausgaben in anderen Bereichen.“
Schulden: Wen es treffen wird
Weniger Geld werde es für „Sozialversicherung, Forschung und Innovation, Bildung, Umweltschutz und Verkehr“ geben. Die Finanzierung wird, so die Erwartung der Ökonomen, durch Schulden erfolgen. Die Schulden werden jedoch nicht, analog zur schwäbischen Hausfrau, durch Sparsamkeit und Zurückhaltung bei den Ausgaben balanciert, sondern durch finanzielle Repression: Sowohl für die reichen als auch für die armen Länder erwarten die Ökonomen, dass die Staaten auf steigende Inflation, höhere Steuern und die Umleitung von „privaten Ersparnissen und Investitionen zur Finanzierung öffentlicher Schulden“ setzen werden. Für Europa erwarten die Ökonomen mehrheitlich keine hohen Inflationsraten, für die USA dagegen gehen die Befragten von steigender Inflation aus.
Wenig Vertrauen in Wachstum
Auf die Frage, wie die entwickelten Staaten in den kommenden fünf Jahren hohe Schuldenstände managen werden, sagen zwei Drittel, die Regierungen würden auf das Weginflationieren und höhere Steuern setzen. Weniger als die Hälfte der Ökonomen glauben, dass die Regierungen Wachstum als Mittel gegen die Schulden einsetzen können. Immerhin knapp die Hälfte sieht die Nutzbarmachung privater Vermögenswerte als Mittel, etwas mehr als die Hälfte hält Zölle für einen Weg aus der Schuldenfalle. Dass die öffentlichen Ausgaben beschnitten werden erwarten lediglich 24 Prozent der Befragten. Schuldenschnitte, Umschuldungen oder gar Staatspleiten halten dagegen nur sechs Prozent der Ökonomen für denkbar.
Deutschland und Frankreich
Zu den EU-Kernländern heißt es in dem Bericht: „Deutschlands jüngste Prognosen wurden leicht nach unten korrigiert und rechnen nun mit einem Wachstum von einem Prozent im Jahr 2026, nach lediglich 0,1 Prozent im Jahr 2025. Frankreich hingegen sah sich mit Regierungsstörungen und Haushaltsabstimmungen konfrontiert, die die Zinssätze erhöhten und Reformen verzögerten.“ Der „Konflikt zwischen Russland und der Ukraine“ treibe „die Ausgaben für Verteidigung und Wiederaufbau in die Höhe, darunter auch eine kürzlich getroffene Vereinbarung über einen Kredit an die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro“. Im kommenden Jahr erwarten fast zwei Drittel der befragten Chefökonomen eine „lockerere Fiskalpolitik in Europa“.
Hinweise für Geldanlage
Für die Geldanlage haben die Ökonomen interessante Perspektiven. Wenn die Zeiten einigermaßen ruhig blieben, sind Aktien in chinesischen KI-Unternehmen der heißeste Tipp, gefolgt von europäischen Aktien und Gold. Die Finger lassen sollten man dagegen vom Dollar und Kryptowährungen. Wenn sich die Lage signifikant verschlechtert, stehen bei den Ökonomen Gold und auch chinesische Technologie-Aktien ganz oben. Krypto soll seinen Wert ebenfalls einigermaßen halten. Am meisten, so die Ökonomen, würde der heute schon von vielen als überhitzt angesehene amerikanische KI-Sektor in Mitleidenschaft gezogen.
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