Epstein-Akten

Jeffrey Epstein nutzte Weltwirtschaftsforum in Davos als Türöffner für Eliten

Jeffrey Epstein bezeichnete sich selbst als „Davos Concierge“ und bot Hilfe bei der Vermittlung hochrangiger Kontakte an. Grundlage sind E-Mails aus Akten des US-Justizministeriums.

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WEF-Präsident Borge Brende schrieb sich E-Mails mit Jeffrey Epstein.

WEF-Präsident Borge Brende schrieb sich E-Mails mit Jeffrey Epstein.

© Fabrice Foffrini/AFP

Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos offenbar über Jahre als informelle Plattform genutzt, um einflussreiche Kontakte zusammenzubringen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf E-Mails aus Akten des US-Justizministeriums sowie auf einen umfangreichen Bestand privater Nachrichten aus Epsteins E-Mail-Konto.

In den E-Mails bezeichnete sich Epstein selbst als „Davos Concierge“ und bot Freunden und Geschäftspartnern an, ihnen den Zugang zu dem exklusiven Treffen im schweizerischen Alpenort zu erleichtern. Er versprach unter anderem, Treffen mit Milliardären und Regierungsvertretern zu organisieren oder bei der knappen Unterbringung während des Forums zu helfen. Unklar sei dem Bericht zufolge, wie häufig Epstein selbst tatsächlich an dem Treffen teilnahm. Das Weltwirtschaftsforum lehnte eine Stellungnahme auf Anfrage von Bloomberg ab.

Diese Namen tauchen in den Epstein-Davos-Mails auf

Die Korrespondenz zeigt, dass Epstein diese Kontakte sowohl vor als auch nach seiner Verurteilung im Jahr 2008 wegen Sexualdelikten pflegte. In den Unterlagen finden sich auch E-Mails mit dem heutigen WEF-Präsidenten Borge Brende, einem früheren norwegischen Außenminister. Brende erklärte, er sei sich von Epsteins krimineller Vergangenheit nicht bewusst gewesen. Er bedauerte, keine gründlichere Prüfung vorgenommen zu haben. WEF-Gründer Klaus Schwab ließ über einen Sprecher mitteilen, er sei sicher, Epstein nie persönlich getroffen zu haben.

Laut Bloomberg tauchen in den E-Mails zahlreiche prominente Namen aus Politik und Wirtschaft auf. Demnach soll Epstein unter anderem Kontakte zwischen dem emiratischen Unternehmer Sultan Ahmed bin Sulayem und dem früheren EU-Kommissar Peter Mandelson angebahnt haben. Ob es zu einem Treffen kam, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Zudem dokumentieren die Akten Verbindungen zu früheren Spitzenpolitikern wie dem ehemaligen US-Finanzminister Larry Summers, der an Treffen im Umfeld des Weltwirtschaftsforums beteiligt war.

Berater von Bill Gates in den Epstein-Akten

Weitere E-Mails zeigen Kontakte zu dem Immunologen Boris Nikolic, der Epstein bei der Auswahl möglicher Gesprächspartner in Davos unterstützte und später Berater von Bill Gates wurde. Ob Gates selbst an Treffen mit Epstein in Davos beteiligt war, bleibt laut Bloomberg unklar. Gates hat mittlerweile erklärt, er bereue den Kontakt zu Epstein.

In anderen Dokumenten werden zudem Treffen vermittelt, an denen der damalige JP-Morgan-Manager Jes Staley sowie der damalige britische Finanzminister Alistair Darling beteiligt gewesen sein sollen. Darling starb 2023.

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Bloomberg betont, dass die ausgewerteten E-Mails sorgfältig geprüft wurden. Metadaten, E-Mail-Header und unabhängige Quellen hätten keine Hinweise auf Manipulationen ergeben. Die Nachrichten werden im Wortlaut wiedergegeben, einschließlich orthografischer und grammatikalischer Fehler.

Epstein war im Juli 2019 erneut wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt worden und starb kurz darauf in einem Gefängnis in New York. Sein Tod wurde offiziell als Suizid eingestuft. An dieser Darstellung gibt es bis heute Zweifel. Anfang dieses Jahres leitete das Weltwirtschaftsforum eine unabhängige Untersuchung zu möglichen Verbindungen zwischen Epstein und der Organisation ein.

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