Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin-Brandenburg hat eine düstere Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Berlin herausgegeben. Wie aus dem aktuellen Konjunkturbericht der IHK-Arbeitsgemeinschaft zeigt, zieht sich die wirtschaftliche Schwächephase bereits ins vierte Jahr und somit länger als alle Wachstumsdellen der vergangenen zwei Jahrzehnte.
Der Konjunkturklimaindex, der geschäftliche Lage und Erwartungen der befragten Unternehmen abbildet, verbesserte sich gegenüber dem Herbst nur minimal um einen Punkt auf 102 Zähler. Damit liegt er weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 115 Punkten.
IHK Berlin: Geschäftserwartungen auf niedrigem Niveau
„Von einer Konjunkturdelle zu sprechen, verbietet sich mittlerweile. Es ist eine Strukturkrise“, heißt es im Bericht der Kammern. Die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen verbesserte sich zu Jahresbeginn marginal.
Die Berliner Industrie überraschte mit einer deutlich verbesserten Geschäftslage. Insbesondere große Unternehmen berichteten von besseren Geschäften durch steigende Exporte. 32 Prozent der befragten Industriebetriebe verzeichneten zunehmende Ausfuhren, im Herbst waren es nur 18 Prozent.
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Die Geschäftserwartungen der Unternehmen verharren jedoch auf skeptischem Niveau. Besonders besorgniserregend bewerten die Kammern die schwache Investitionsaktivität. Der Investitionsindikator verharrt zum dritten Mal in Folge bei 16 Punkten - nur noch halb so hoch wie Ende der 2010er Jahre. Nur wenige Unternehmen in Berlin und Brandenburg investieren in Kapazitätserweiterungen.
Der jahrelang dominierende Fachkräftemangel wird derzeit seltener als Risiko genannt. Als weitere belastende Faktoren nennen die Unternehmen die Bürokratie, hohe Arbeitskosten und den schwachen Inlandsabsatz sowie steuerliche Belastungen. Insbesondere Gastgewerbe, Handel und Bauwirtschaft leiden unter den Arbeitskosten
IHK: Nachwuchsmangel ist „dauerhaftes Risiko“
Der Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam, Christian Herzog, weist auf eine weitere Gefahr für die wirtschaftliche Lage in Berlin hin. „In den nächsten zehn Jahren stehen, allein nur in unserem Kammerbezirk über 150.000 Arbeitsplätze bei unseren Betrieben auf dem Spiel“. Jedes zweite Unternehmen in Berlin und Brandenburg brauche in den nächsten zehn Jahren einen Nachfolger. Diese Lage habe sich zu einem „dauerhaften Risiko“ entwickelt.
Knapp ein Viertel (22,6 Prozent) der befragten Unternehmen möchte schließen, weil Unternehmer keine geeigneten Nachfolger finden. 2022 lag diese Zahl noch bei knapp 15 Prozent.
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