Machtpolitik

Konflikt mit Israel: Erdogan weist Anerkennung Somalilands zurück

Türkischer Präsident kritisiert bei Äthiopien-Besuch Israels Vorstoß – Somalia spricht von „Angriff auf die Souveränität" – Äthiopien drängt auf Meereszugang

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Verteidigt türkischen Einfluss in Afrika: Recep Tayyip Erdogan.

Verteidigt türkischen Einfluss in Afrika: Recep Tayyip Erdogan.

© AP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Anerkennung Somalilands als unabhängiger Staat durch Israel scharf zurückgewiesen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem äthiopischen Premierminister Abiy Ahmed in Addis Abeba erklärte Erdogan, das Horn von Afrika dürfe nicht zum „Schlachtfeld fremder Mächte" werden. Die Länder der Region müssten ihre Probleme selbst lösen.

Israel hatte im Dezember als weltweit erster Staat Somaliland offiziell anerkannt – eine Region, die sich vor mehr als 30 Jahren von Somalia losgesagt hat, international aber bislang nicht als eigenständiger Staat gilt. Beide Seiten vereinbarten volle diplomatische Beziehungen einschließlich der Eröffnung von Botschaften. Somalia betrachtet Somaliland weiterhin als Teil seines Staatsgebiets.

Somalia reagiert mit scharfer Verurteilung

Die Regierung in Mogadischu bezeichnete Israels Schritt laut BBC als „illegalen Akt" und „flagranten Angriff" auf die somalische Einheit. Präsident Hassan Sheikh Mohamud sprach vor einem Sonderplenum aus Parlament und Senat von der „schwersten Verletzung" der somalischen Souveränität in der Geschichte des Landes. Das Parlament verabschiedete eine Resolution, die die israelische Anerkennung für „null und nichtig" erklärt. Mogadischu kündigte an, den Fall vor die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und die Arabische Liga zu bringen. In der Hauptstadt gingen Hunderte Menschen gegen die Entscheidung auf die Straße.

Ankara verteidigt strategische Partnerschaft mit Somalia

Die Türkei unterhält enge militärische und wirtschaftliche Beziehungen zu Somalia. In Mogadischu betreibt Ankara mit Camp Turksom seine größte Auslandsmilitärbasis, in der somalische Soldaten ausgebildet werden. Ein 2024 geschlossenes Verteidigungsabkommen mit einer Laufzeit von zehn Jahren sieht den Aufbau einer somalischen Marine und den Schutz der Seewege gegen Piraterie vor. Erdogan sieht in der israelischen Präsenz in der strategisch wichtigen Region am Roten Meer und am Golf von Aden eine Verschärfung des geopolitischen Wettbewerbs.

Somalilands Außenministerium forderte die Türkei auf, zur Deeskalation beizutragen, statt regionale Spannungen anzuheizen.

Äthiopien drängt auf Zugang zum Meer

Am Rande des Treffens bat Premierminister Abiy Ahmed die Türkei um diplomatische Unterstützung für Äthiopiens Streben nach einem Meereszugang. Seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 ist Äthiopien ein Binnenstaat ohne Zugang zur rund 1350 Kilometer langen Küste am Roten Meer. „Es ist nicht richtig, dass ein Land mit über 130 Millionen Einwohnern durch die Verschwörung unserer Feinde ein geografischer Gefangener bleibt", sagte Abiy laut BBC.

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Nachdem ein Abkommen über die Nutzung eines Küstenstreifens in Somaliland 2024 gescheitert war, drängt Abiy auf Zugang zum eritreischen Hafen Assab – und deutete an, diesen notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Erdogan hatte zuvor als Vermittler im Streit zwischen Äthiopien und Somalia um eben jenes Somaliland-Hafenprojekt fungiert.

Sorge vor neuem Konflikt in Tigray

Die Spannungen in der Region werden durch Berichte über militärische Aufmärsche nahe der äthiopischen Region Tigray verschärft, die an Eritrea grenzt. Lokale Medien berichten von wachsender Panik in Städten Tigrays. Banken dort haben kein Bargeld mehr, Beamte erhielten ihre Januargehälter nicht. Während des Tigray-Kriegs von 2020 bis 2022 kämpften eritreische Truppen an der Seite der äthiopischen Armee – doch die Bündnisse haben sich seither verschoben, was die Gefahr eines erneuten Konflikts zwischen den Nachbarstaaten erhöht.

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