Das Thüringenkolleg in Weimar, eine staatliche Bildungseinrichtung für Erwachsene, die kostenfrei das Abitur nachholen möchten, steht vor dem Aus. Wie das Thüringer Bildungsministerium bestätigte, sollen ab dem Schuljahr 2026/27 keine neuen Kollegiaten mehr aufgenommen werden. Die Schließung erfolgt auf Empfehlung des Thüringer Rechnungshofs, der den jährlichen Betrieb mit rund einer Million Euro bei gleichzeitig sinkenden Absolventenzahlen als unwirtschaftlich bewertet.
Laut Bildungsministerium haben im vergangenen Schuljahr lediglich 25 Schüler ihr Abitur erfolgreich abgelegt. Im Jahr zuvor erreichten nur 9 von 27 aufgenommenen Kollegiaten den Abschluss. Diese Zahlen spiegeln einen deutlichen Rückgang wider, da die Schülerzahl in den letzten zehn Jahren von über 100 auf zuletzt 64 gesunken ist. Das Thüringenkolleg ist derzeit die einzige staatliche Einrichtung in Thüringen, die eine kostenfreie Vollzeitausbildung über drei Jahre für Erwachsene anbietet. Ministeriumssprecher betonten mehrfach, dass alle derzeitigen Schüler ihr Abitur wie geplant abschließen können. Alternativen zum Thüringenkolleg, wie das Fernabitur oder Abiturkurse an Volkshochschulen, sollen Interessierten offenstehen. Dort erreichten im vergangenen Jahr etwa 30 Teilnehmer ebenfalls die Hochschulreife.
Die Entscheidung stößt auf Kritik. Ulrike Grosse-Röthig, Bildungspolitikerin der Thüringer Linken, bezeichnete die Schließungspläne als „lebensverändernd für die Betroffenen“. Sie forderte die Landesregierung auf, die Entscheidung zu überdenken und das Kolleg als Chance für einen höheren Bildungsabschluss für Erwachsene zu erhalten. Auch die Schülervertretung und die Schulleitung kündigten an, weiter mit dem Ministerium über eine mögliche Fortführung der Einrichtung zu verhandeln. (mit dpa)
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