Asien

72 Tiger in Thailand verendet: Neue Erkenntnisse zum tödlichen Virus

Nach dem Massensterben der Tiger in Chiang Mai geben die thailändischen Behörden neue Details bekannt. Auch Tierschützer melden sich zu Wort.

3 Min
Ein tödliches Virus und eine bakterielle Infektion haben in den vergangenen Wochen mindestens 72 Tiger in einem privaten Tierpark im Norden Thailands getötet.

Ein tödliches Virus und eine bakterielle Infektion haben in den vergangenen Wochen mindestens 72 Tiger in einem privaten Tierpark im Norden Thailands getötet.

© Mladen Antonov/AFP

In zwei Touristenparks im nordthailändischen Chiang Mai sind innerhalb von nur zehn Tagen 72 Tiger an einer Infektion mit dem Staupevirus (Canine Distemper Virus, CDV) gestorben. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, wiesen die thailändischen Behörden am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bangkok Befürchtungen zurück, es könne sich um einen Ausbruch der Vogelgrippe handeln.

„Es hat keine Übertragung vom Tier auf den Menschen gegeben“, sagte Gesundheitsminister Pattana Promphat laut AP. Das Staupevirus ist nicht dafür bekannt, Menschen zu infizieren. Dennoch würden Personen, die zuletzt Kontakt zu den Tieren hatten, vorsorglich 21 Tage lang überwacht.

Die Tiger lebten in zwei Einrichtungen des Anbieters „Tiger Kingdom Chiang Mai“, wo Besucher die Großkatzen anfassen und mit ihnen interagieren können. Insgesamt waren dort nach Angaben lokaler Medien mehr als 240 Tiger untergebracht. Die Tiere erkrankten und starben laut AP zwischen dem 8. und 18. Februar.

Das regionale Veterinäramt in Chiang Mai hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass Autopsien genetisches Material des Staupevirus sowie Spuren bakterieller Infektionen nachwiesen – jedoch kein Influenza-A-Virus. „Als wir merkten, dass die Tiere krank waren, war es bereits zu spät“, erklärte Somchuan Rattanamangklanan, Leiter der nationalen Viehzuchtbehörde, gegenüber lokalen Medien. Bei Tigern sei eine Erkrankung schwerer zu erkennen als bei Haustieren.

Das Staupevirus ist hochansteckend und befällt Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem. Es tritt vor allem bei Hunden auf, kann aber auch Großkatzen infizieren. Die thailändischen Behörden betonten, dass Tiger in beengten Haltungsbedingungen, die zudem unter Stress und Inzucht litten, besonders anfällig seien.

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Ursprung der Infektion weiterhin unklar

Trotz der offiziellen Entwarnung bleiben Fragen offen. Der Tierarzt Visit Arsaithamkul, der an den Autopsien beteiligt war, äußerte laut AP in einem Facebook-Beitrag die Vermutung, dass das Futter der Tiger die Infektionsquelle sein könnte. Die beiden Parks liegen nur 30 Kilometer voneinander entfernt und könnten vom selben Lieferanten beliefert worden sein.

Anfänglich hatten einige Behördenvertreter kontaminiertes rohes Hühnerfleisch als mögliche Ursache vermutet, wie die Bangkok Post berichtete. Rohes Hühnerfleisch stand bereits im Jahr 2004 im Verdacht, einen schweren Vogelgrippe-Ausbruch in einem Tigerzoo in der Provinz Chonburi ausgelöst zu haben, bei dem fast 150 Tiger starben oder eingeschläfert wurden.

Die Kadaver der verendeten Tiere wurden obduziert, kremiert und vergraben. Schwer erkrankten Tigern wurde laut Behörden die Einschläferung empfohlen. Beide Parks sind vorübergehend für zwei Wochen geschlossen, während Desinfektionsarbeiten laufen. Die Betreiber von Tiger Kingdom reagierten laut AP zunächst nicht auf Anfragen.

Tierschützer kritisieren Touristenparks

Tierschutzorganisationen nutzen laut einem BBC-Bericht den Vorfall, um auf die Haltungsbedingungen von Tigern in der thailändischen Unterhaltungsindustrie aufmerksam zu machen.

Die Wildlife Friends Foundation Thailand erklärte etwa, das Massensterben zeige die „extreme Verwundbarkeit von Wildtier-Einrichtungen gegenüber Infektionskrankheiten“. Die Organisation Peta Asia betonte, solche Tragödien wären weit weniger wahrscheinlich, wenn Touristen diesen Attraktionen fernblieben.

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