Iran-Krieg

Straßenkameras, CIA und Algorithmen: So töteten Israel und die USA Ali Chamenei

Bevor die Bomben fielen, liefen im Hintergrund jahrelang Daten zusammen. Eine Rekonstruktion zeigt, wie präzise Aufklärung und ein politischer Beschluss den Weg zum Angriff ebneten.

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Teilnehmer einer Kundgebung trauern um Ali Chamenei.

Teilnehmer einer Kundgebung trauern um Ali Chamenei.

© Abdul Kader Al Bay/imago

Am Morgen des 28. Februar 2026 schlugen israelische Präzisionswaffen im Zentrum von Teheran ein. Ziel war ein Gebäudekomplex nahe der Pasteur Street, in dem sich nach Erkenntnissen westlicher Dienste der oberste Führer des Iran, Ali Chamenei, zu einer Besprechung aufhielt. Am Folgetag bestätigte die iranische Führung seinen Tod und rief eine 40-tägige Staatstrauer aus.

Wie es zu diesem Schlag kam, rekonstruiert eine ausführliche Recherche der Financial Times. Die britische Zeitung stützt sich auf Gespräche mit mehr als einem Dutzend aktuellen und ehemaligen israelischen Geheimdienstvertretern sowie mit Personen, die mit der Planung vertraut gewesen sein sollen. Ihr Bericht zeichnet das Bild einer Operation, die Jahre vor dem eigentlichen Angriff begann.

„Wir kannten Teheran wie Jerusalem“

Der militärische Schlag war demnach nur der sichtbare Abschluss. Entscheidend war die Vorarbeit. „Wir kannten Teheran wie wir Jerusalem kennen“, zitierte die Financial Times einen aktuellen israelischen Geheimdienstvertreter. Wenn man eine Stadt so gut kenne wie die eigene Kindheitsstraße, falle jede Abweichung sofort auf.

Nach Angaben von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen sollen nahezu alle Verkehrskameras der iranischen Hauptstadt über Jahre hinweg kompromittiert worden sein. Die Bilder seien verschlüsselt und an Server in Tel Aviv sowie in den Süden Israels übertragen worden. Eine Kamera mit besonders günstigem Blickwinkel habe Einblicke in das Parkverhalten von Leibwächtern und Fahrern ermöglicht und damit Routinen innerhalb des streng gesicherten Komplexes sichtbar gemacht.

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Komplexe Algorithmen hätten diese Daten mit weiteren Informationsquellen verknüpft. Wohnorte, Dienstzeiten, Fahrtrouten und Zuordnungen zu bestimmten Schutzpersonen seien in Dossiers eingeflossen. Geheimdienstkreise sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Pattern of Life“, also einem detaillierten Bewegungs- und Gewohnheitsprofil. Eine offizielle Bestätigung Israels oder der USA für diese Cyberoperationen gibt es nicht.

Nach einem Angriff auf die iranische Hauptstadt Teheran steigt eine Rauchwolke auf.

Nach einem Angriff auf die iranische Hauptstadt Teheran steigt eine Rauchwolke auf.

© ATTA KENARE/AFP

Angriff auf den Iran: Daten, Netzwerke, Ziele

Neben den gehackten Kameras nutzte Israel nach Darstellung der Financial Times eine mathematische Methode der sozialen Netzwerkanalyse. Milliarden Datenpunkte seien ausgewertet worden, um Machtzentren, Entscheidungswege und neue Zielpersonen zu identifizieren. Ein mit der Praxis vertrauter Insider beschrieb dies als „Fließband“ mit nur einem Produkt: Ziele.

Beteiligt gewesen seien dem Bericht zufolge der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad, die militärische Aufklärungseinheit Unit 8200 sowie die CIA. Neben technischer Aufklärung habe es auch eine menschliche Quelle gegeben, die den entscheidenden Hinweis auf den konkreten Termin der Besprechung geliefert habe. Die CIA lehnte eine Stellungnahme ab.

Zusätzlich seien einzelne Komponenten von Mobilfunkmasten im Umfeld der Pasteur Street gestört worden. Telefone hätten bei eingehenden Anrufen als besetzt gewirkt, sodass mögliche Warnungen an das Sicherheitsteam nicht durchgekommen seien.

Der Moment der Entscheidung

Mehrere der von der Financial Times befragten Geheimdienstvertreter betonten, die Tötung Chameneis sei vor allem eine politische Entscheidung gewesen. Als die Dienste feststellten, dass der 86-Jährige an einem Samstagmorgen mit hochrangigen Vertretern zusammentreffen würde, galt das Zeitfenster als besonders günstig. Wäre ein offener Krieg bereits im Gange gewesen, so die Einschätzung, hätte sich die iranische Führung vermutlich in tief gelegene Bunker zurückgezogen, die mit den verfügbaren Waffen kaum erreichbar sind.

Israelische Jets seien über Stunden in der Luft gewesen, um pünktlich am Ziel einzutreffen. Ein ehemaliger hochrangiger Geheimdienstvertreter sagte der Financial Times, es seien bis zu 30 Präzisionswaffen abgefeuert worden. Zwei voneinander unabhängige Offiziere hätten zuvor mit hoher Sicherheit bestätigen müssen, dass sich das Ziel tatsächlich am vorgesehenen Ort befinde. Das israelische Militär erklärte laut dem Bericht, der Angriff am Morgen habe taktische Überraschung ermöglicht – trotz hoher iranischer Alarmbereitschaft.

Teil einer langen Strategie

Die Recherche ordnet die Operation Epic Fury (Epische Wut) in eine über zwei Jahrzehnte gewachsene Strategie ein. Bereits 2001 habe Israels damaliger Ministerpräsident Ariel Scharon den Mossad angewiesen, den Iran zur Priorität zu machen. Seitdem habe Israel wiederholt iranische Nuklearanlagen sabotiert, Wissenschaftler getötet und sei gegen verbündete Milizen vorgegangen.

Experten warnen dennoch vor den Risiken solcher Einsätze. Die gezielte Tötung eines politischen und religiösen Führers gilt international als hoch umstritten und kann unvorhersehbare Folgen haben. Ob die technologische und geheimdienstliche Überlegenheit Israels langfristig strategische Vorteile bringt, ist selbst innerhalb des Landes umstritten.

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