Die durch den Iran-Krieg ausgelösten Turbulenzen auf den Energiemärkten könnten Russland zusätzliche Einnahmen verschaffen – und damit indirekt den Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren. Durch die Störungen von Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten sowie den weitgehenden Stillstand des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus sind die Energiepreise deutlich gestiegen.
Der Preis für russisches Öl sei von unter 40 US-Dollar pro Barrel im Dezember auf etwa 62 Dollar gestiegen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Damit liegt er über der Marke von 59 Dollar pro Barrel, die das russische Finanzministerium im Haushaltsplan für 2026 angesetzt hatte. Einnahmen aus Öl und Gas machen bis zu 30 Prozent des russischen Staatshaushalts aus und gelten als zentrale Finanzierungsquelle für Moskaus Krieg gegen die Ukraine.
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LNG-Markt gerät durch Hormus-Krise unter Druck
Auch der Markt für Flüssiggas gerät unter Druck. Katar, einer der wichtigsten LNG-Exporteure der Welt, hat seine Produktion vorübergehend ausgesetzt, weil Schiffe wegen der Sicherheitslage kaum noch durch die Straße von Hormus fahren können. Der Tankerverkehr dort ist nach Angaben des Schiffsdatendienstes MarineTraffic um etwa 90 Prozent eingebrochen. Große Reedereien meiden die Meerenge aus Sicherheitsgründen. Dadurch steigt weltweit der Wettbewerb um verfügbare Gaslieferungen – wovon auch Russland profitieren könnte.
Energieexperten sehen deshalb einen klaren Zusammenhang zwischen dem Konflikt im Nahen Osten und Russlands finanziellen Spielräumen. „Russland ist einer der großen Gewinner der energiepolitischen Turbulenzen durch den Krieg“, sagte Simone Tagliapietra vom Brüsseler Thinktank Bruegel laut AP. Höhere Ölpreise bedeuteten höhere Staatseinnahmen – und damit eine stärkere Fähigkeit, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
Trump erwartet später drastisch fallende Ölpreise
US-Präsident Donald Trump räumte unterdessen ein, dass der Krieg kurzfristig zu steigenden Energiepreisen führen könne. Bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus sagte er, die Ölpreise würden zunächst nach oben gehen, später jedoch deutlich fallen. „Wir werden eine Zeit lang etwas höhere Ölpreise haben, aber danach werden sie stark sinken – möglicherweise auf ein Niveau, das wir noch nie gesehen haben“, sagte Trump. Einen konkreten Zeitpunkt für einen möglichen Preisrückgang nannte er nicht.
Unterdessen ist im Mittelmeer ein russischer Flüssiggas-Tanker gesunken. Russische Behörden machen nach Angaben der BBC ukrainische Seedrohnen für Explosionen und ein Feuer an Bord verantwortlich. Die Ukraine bestätigte den Angriff nicht. Das Schiff gehörte offenbar zu Russlands sogenannter Schattenflotte, mit der Moskau Öl und Gas trotz westlicher Sanktionen exportiert.
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