Treibstoffpreise

Diesel teurer als Benzin: Warum sich das Preisverhältnis umkehrt

Der Dieselpreis steigt derzeit schneller als der für Benzin. Die Ursachen sind strukturelle Verschiebungen in der Wirtschaft und geopolitische Krisen. Wird es auch wieder anders?

Kai Kleinwächter
Kai Kleinwächter
4 Min
Eine noch ungewohnte Situation: Diesel ist teurer als Benzin.

Eine noch ungewohnte Situation: Diesel ist teurer als Benzin.

© IMAGO / onw-images

An deutschen Zapfsäulen zahlen Autofahrer derzeit für einen Liter Diesel mehr als für Superbenzin. Eine Situation, die das jahrzehntelang gültige Preisverhältnis auf den Kopf stellt.

Laut der Homepage benzinpreis.de lag der Dieselpreis in Berlin zwischen 2,15 und 2,20 Euro pro Liter. Super E5 kostete hingegen durchschnittlich 2,10 Euro und E10 2,04 Euro der Liter. Die Ursachen sind vielschichtig: Neben dem aktuellen Nahostkonflikt treiben langfristige strukturelle Veränderungen den Dieselpreis nach oben.

Ökonomisch sind Diesel und Benzin sogenannte Koppelprodukte. Sie beruhen auf dem gleichen Grundprodukt, Rohöl, sie entstehen im selben Raffinerieprozess und werden von den gleichen Konzernen über eine auf engste verwobene Infrastruktur vertrieben. Entsprechend entwickeln sich die Preise dieser Produkte parallel. Oft sogar mit demselben Abstand. Das war die eigentliche Gewissheit der meisten Autofahrer in Deutschland.

Politik gibt Förderung Diesel auf

Zu einem Großteil beruhte der Preisunterschied von Diesel und Benzin auf der deutschen Steuerpolitik. Diesel unterlag jahrzehntelang einer geringen Besteuerung, um den Absatz zu fördern.

Aber seit Anfang der 2000er Jahre schmilzt die Politik früher gewollte Steuervorteile für Diesel ab. Damit verringert sich schon strukturell der Abstand von Diesel und Benzin. Hinzu kommt, dass die schrittweise Erhöhung des CO₂-Preises Diesel stärker als Benzin belastet. Es verursacht pro Liter mehr Emissionen.

Höhere Preisempfindlichkeit des Diesels bei Krisen

In Deutschland übersteigt die Nachfrage nach Diesel die Produktion deutlich. Entsprechend muss rund ein Drittel des Bedarfs importiert werden. Bei der Benzinproduktion ist das Land weitgehend autark.

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Diese Importabhängigkeit macht den Dieselpreis anfälliger für internationale Verwerfungen. ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer erklärt gegenüber Geo: „Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege." Das letzte mal kostete Diesel deutlich mehr als Benzin am Beginn des Ukraine-Krieges 2022.

Aktuell treibt vor allem die iranische Blockade der Straße von Hormus die Preise. Über diese Meerenge zwischen Iran und Oman werden rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels abgewickelt. Gleichzeitig sind Flüssiggaslieferungen aus Katar eingebrochen, was die Nachfrage nach Diesel als Ersatzbrennstoff in Industrie und Energieerzeugung zusätzlich erhöht.

Diesel wird ein Nischenprodukt

Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Dieselpreises sind die strukturellen Verschiebungen auf der Nachfrageseite: Laut Daten des europäischen Herstellerverbands ACEA entfallen weniger als zehn Prozent der EU-Neuzulassungen noch auf Dieselfahrzeuge. Das ist ein Rückgang von 24,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Anteil von Dieselfahrzeugen an der Flotte sinkt kontinuierlich. Weniger als ein Drittel aller Fahrzeuge hat noch einen Dieselantrieb. In Großstädten wie Berlin ist der der Anteil bereits auf 20 Prozent gesunken - Tendenz weiter fallend. Der Kraftstoff wird zunehmend zum Nischenprodukt, während die Infrastruktur bestehen bleibt. Sinkende Absatzmengen müssen zunehmende (Fix-)Kosten finanzieren. In Folge dessen steigt der Stückpreis, sprich der Preis pro Liter.

Oligopole beuten  Konsumenten aus

Der deutsche Tankstellenmarkt wird von fünf großen Mineralölkonzernen dominiert: BP (Aral), Shell, ExxonMobil (Esso), TotalEnergies und ConocoPhillips (Jet). Die oligopolistische Struktur begünstigt den sogenannten Rakete-Feder-Effekt: Preise steigen schnell, fallen aber nur zögerlich. Der ADAC hatte bereits 2022 am Beginn des Ukraine-Krieges kritisiert, dass Preissprünge an der Zapfsäule „in dieser Höhe keine Grundlage“ hätten – selbst unter Berücksichtigung von Lieferengpässen.

Die Stichworte hier sind Marktmacht und Konsumentenausbeutung. Die Konzerne optimieren ihre Gewinne. Und da es im Ausland die Dichte an Dieseltankstellen geringer ist, haben die Besitzer entsprechender Autos weniger Ausweichmöglichkeiten. Sie lassen sich leichter ausbeuten. Die Politik schreitet bisher kaum ein.

Saisonale Faktoren verschärfen die Lage zusätzlich. Heizölbestellungen am Ende der Wintermonate erhöhen die Nachfrage nach dem chemisch verwandten Diesel.

Die Zukunft bringt für den Diesel nichts gutes

Die Verbraucher können die Belastungen durch die Dieselpreise verringern. Der ADAC rät, möglichst abends zu tanken, Autobahntankstellen zu meiden und Preisvergleichs-Apps zu nutzen. Doch an den grundlegenden Preistreibern – geopolitische Krisen, schwindende Nachfrage, oligopolistische Marktstrukturen und steigende CO₂-Steuern – ändert das wenig. Die Zeiten des günstigen Diesels dürften vorbei sein. Zumal auch die Preise für die Fahrzeuge selbst in Zukunft deutlich steigen dürften.

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