Der Versuch, den seit Montag vor Timmendorfer Strand gestrandeten Wal mithilfe eines Amphibienfahrzeugs zu befreien, ist am Dienstag gescheitert. Ein Amphibienfahrzeug mit Saugbagger, das normalerweise zur Entschlammung eingesetzt wird, sollte Sand aus der Sandbank pumpen und so eine Rinne schaffen, durch die der Wal in tieferes Wasser gelangen kann. Die Aktion hätte nach Einschätzung der Beteiligten zwischen zwei und fünf Stunden dauern können.
Doch bereits kurz nach dem Einsatzbeginn musste der Saugbagger das Wasser wieder verlassen – das Gerät war offenbar nicht leistungsfähig genug, um das Material abzusaugen. Die Einsatzkräfte mussten die Rettungsaktion daraufhin abbrechen. Aufgegeben wird jedoch nicht: Am Mittwoch soll ein deutlich größerer Saugbagger per Schwerlasttransport angeliefert werden. Dieser muss jedoch erst noch montiert werden. Der eigentliche Versuch, dem etwa zehn Meter langen Meeressäuger einen Weg in die offene Ostsee zu graben, wird damit voraussichtlich erst am Donnerstag starten. Wenn das Tier keine Erkrankungen hat, könne es Experten zufolge so lange durchhalten.
Buckelwal bei Niendorf gestrandet: Hochwasser brachte keine Rettung
Der Plan war zuvor am Dienstagnachmittag von Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) aus Büsum gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung entwickelt worden. Nach einer Beratung im Rathaus von Timmendorfer Strand hatte Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke den Lübecker Nachrichten (LN) bestätigt, dass ein weiterer Rettungsversuch unternommen werde. „Wir wollen nichts unversucht lassen, um dem Tier zu helfen“, sagte Partheil-Böhnke.
Hoffnung liegt auf Sturmböen
Der Wal war in der Nacht zu Montag in der Lübecker Bucht gestrandet und liegt seitdem im flachen Wasser vor dem Niendorfer Strand. Das Tier versucht, sich immer wieder durch Hin-und-her-Bewegungen zu befreien, schafft es jedoch aus eigener Kraft nicht. Auch das Hochwasser in der Nacht zum Dienstag reichte nicht aus, um dem Wal das Freischwimmen zu ermöglichen.
Bereits am Montag hatten die ITAW-Experten mehrere Rettungsversuche unternommen, diese jedoch am frühen Abend erfolglos abbrechen müssen. Klar war von Beginn an: Den Wal zu schieben oder zu ziehen, kam nicht infrage – das hätte das Tier in seiner derzeitigen Situation nach Einschätzung der Fachleute womöglich schwer verletzt.
Einen Funken Zuversicht gibt es dennoch: Sollte der Wal die kommende Nacht überstehen, könnten ihm die Wetterverhältnisse am Mittwoch zugutekommen. Der Deutsche Wetterdienst warnt ab zehn Uhr vor schweren Sturmböen an der ostholsteinischen Ostseeküste, zunächst aus Südwest, später aus westlicher Richtung. Die damit einhergehenden höheren Wasserstände könnten dem Tier zusätzlich helfen.
Monatelanger Werftaufenthalt: Eisbrechendes Schiff „Ranzow“ zurück auf dem Wasser
ITAW-Expertin: Tötung des Wals kommt nicht infrage
Eine gezielte Tötung des Wals, um ihn von möglichem Leiden zu erlösen, ist nach Angaben der Fachleute im Übrigen keine Option. Ursula Siebert, Leiterin des ITAW an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass internationale Absprachen die Möglichkeiten stark einschränkten. Der Einsatz von Waffen mit dem nötigen Kaliber berge eine Gefährdung für die Umgebung.
Man solle dann lieber dafür sorgen, dass diese würdig und stressfrei sterben können, meinte Siebert. Auch das Deutsche Meeresmuseum wies darauf hin, dass eine Euthanasierung unter den gegebenen Umständen kaum durchführbar sei: Das Wasser sei zu flach für den Wal, aber zu tief für eine gezielte Tötung. Zudem gebe es bei einem Tier dieser Größe „keine zuverlässige Methode der Euthanasierung, mit der man weiteres Leiden vollständig ausschließen kann“.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]