Im von Nazi-Deutschland okkupierten Prag bekommt ein junger SS-Anwärter einen scheinbar simplen Auftrag. Auf dem Dach des Rudolfinums, Prags prestigeträchtigem Neorenaissance-Konzerthaus, soll die Statue des einzigen jüdischen Komponisten entfernt werden: Felix Mendelssohn.
Zwei Arbeiter werden hinaufgeschickt, ein Seil liegt bereit, der Fall scheint klar. Doch keine Figur trägt ein Namensschild. Welche ist Mendelssohn? Der Mann in Uniform entsinnt sich seiner schulischen Ausbildung in „Rassenkunde“ und meint, der Jude müsse doch an der größten Nase zu erkennen sein. Die Arbeiter finden also rasch eine passende Figur, legen das Seil an und ziehen – und stürzen so ausgerechnet Richard Wagner vom Dach.
Musik
Richard Wagner: Ein Antisemit als jüdisches Idol
Im stark jüdisch geprägten Prag um 1900 erfreuten sich ausgerechnet die Werke Richard Wagners einer riesigen Beliebtheit. Die Werke eines Antisemiten in mosaischem Umfeld – wie geht das zusammen?
Willi Patzelt
11 Min
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Matthew Newlin (Parsifal), Chor der Staatsoper und Chor des Nationaltheaters
© Serghei Gherciu
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