Kolumne

Das Bauchgefühl des Ostens

Gibt es in Ostdeutschland ein Demokratiedefizit? Oder haben diejenigen, die die DDR noch bewusst erlebt haben, ein feineres Gespür gegenüber den Tendenzen zur Gleichschaltung der öffentlichen Meinung?

Michael Beleites
7 Min
Gera am 1. Mai 1989: Eine politische Instrumentalisierung des Antifaschismus ist für den früheren DDR-Bürger nichts Neues.

Gera am 1. Mai 1989: Eine politische Instrumentalisierung des Antifaschismus ist für den früheren DDR-Bürger nichts Neues.

© privat

Bei alltäglichen Gesprächen auf der Dorfstraße höre ich immer wieder einen Satz: „Es gibt überall solche und solche.“ Vielleicht ist das eine verbindende Lebensweisheit, die wir Ostdeutschen aus der DDR mitgebracht haben. Man soll die Menschen nicht vorschnell nach irgendwelchen Gruppenzugehörigkeiten beurteilen – weil es überall solche und solche gibt. Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Das, was heute als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet wird, gab es in der DDR kaum. Auch unter denen, die den SED-Staat ablehnten, hatten die meisten Freunde, die SED-Mitglieder waren. Und unter den SED-Mitgliedern gab es nicht wenige, die dem System kritisch gegenüberstanden.

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