Die Hisbollah hat sich am Vorabend historischer Direktgespräche zwischen Israel und Libanon in Washington vehement gegen die Verhandlungen gestellt. Generalsekretär Naim Kassem forderte die libanesische Regierung in einer Fernsehansprache auf, das Treffen abzusagen. „Diese Verhandlungen sind zwecklos“, sagte Qassem laut Times of Israel. Er warf Beirut vor, sich zum „Werkzeug Israels“ zu machen, und verlangte eine „historische und heldenhafte Haltung“ durch den Boykott der Gespräche. Seine Organisation habe sich nach monatelangen israelischen Angriffen „neu aufgebaut“ und werde „sich niemals ergeben“. Zudem drohte er, bei Gelegenheit israelische Soldaten gefangen zu nehmen.
Der hochrangige Hisbollah-Funktionär Wafiq Safa bekräftigte die Haltung in einem seltenen Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die Ergebnisse der Verhandlungen seien für seine Organisation „völlig unerheblich“. „Wir sind nicht an das gebunden, was sie vereinbaren“, sagte Safa laut Guardian. Den erneuten Raketenbeschuss Nordisraels im März bezeichnete er als präventiv – die Hisbollah habe geglaubt, Israel bereite eine zweite Offensive vor.
Zur Frage der Entwaffnung sagte Safa laut Times of Israel, die Hisbollah sei nach einem Waffenstillstand und israelischem Abzug bereit, mit der libanesischen Regierung über ihre Waffen zu verhandeln. „Die Frage der Widerstandswaffen ist eine libanesische Angelegenheit, die nichts mit Israel oder den USA zu tun hat.“
Gespräche in Washington am Dienstag geplant
US-Außenminister Marco Rubio empfängt am Dienstag den israelischen Botschafter Yechiel Leiter und die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh zu direkten Gesprächen in Washington. Es ist laut Axios das hochrangigste Treffen zwischen beiden Ländern seit 1993. Im Mittelpunkt stehen ein möglicher Waffenstillstand im laufenden Krieg zwischen Israel und der Hisbollah sowie die langfristige Entwaffnung der Miliz und ein Friedensabkommen.
Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hatte direkte Gespräche zunächst abgelehnt, stimmte laut Axios vergangene Woche jedoch unter Druck von Präsident Trump zu. Netanyahu forderte die Zerschlagung des Hisbollah-Waffenarsenals und ein dauerhaftes Friedensabkommen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums betonte laut Axios: „Israel führt Krieg gegen die Hisbollah, nicht gegen Libanon.“
Die libanesische Regierung steht laut BBC vor einem Dilemma: Beirut hat zwar den bewaffneten Arm der Hisbollah für illegal erklärt, kann die Entwaffnung aber nicht durchsetzen. Michael Young vom Carnegie Center in Beirut sagte der BBC, die Regierung habe „keine Karten in der Hand“.
Der Krieg begann am 2. März, als die Hisbollah nach US-israelischen Angriffen auf den Iran Raketen auf Nordisrael feuerte. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden seither über 2000 Menschen im Libanon getötet und mehr als 1,2 Millionen vertrieben, wie Guardian und BBC berichten.
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