Machtspiel

Grönland wehrt sich gegen Einflussversuche aus Trumps Umfeld

Geldangebote, politische Kontakte und Kampagnen sollen den US-Einfluss auf der Insel ausbauen. Grönländische Politiker sprechen von kolonialen Methoden.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Protest in Nuuk gegen US-Übernahmepläne

Protest in Nuuk gegen US-Übernahmepläne

© Aqqalu Augustussen/imago

Ein Netzwerk von Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump versucht mit Geldangeboten, politischen Kontakten und gezielter Öffentlichkeitsarbeit, den US-amerikanischen Einfluss in Grönland auszubauen. Das geht aus einer Recherche der Nachrichtenagentur Reuters hervor, die am heutigen Freitag auf Grundlage von Interviews mit Dutzenden grönländischen Politikern und Amtsträgern veröffentlicht wurde.

Zu den Akteuren zählen demnach der grönländische Trump-Anhänger Jørgen Boassen, der ehemalige Offizier der US-Spezialkräfte Drew Horn, Tom Dans, der Vorsitzende der US-Bundesbehörde US Arctic Research Commission, die sich mit Fragen der Arktisforschung befasst, sowie der Berater der ehemaligen US-Heimatschutzministerin Kristi Noem, Chris Cox. Laut Reuters habe Dans seine Aktivitäten mit der Trump-Regierung abgestimmt und das Weiße Haus in Grönland-Fragen beraten.

Hundeschlittenrennen, Minenrechte, Kolonialgeschichte

Die Methoden reichen laut Reuters von der Finanzierung eines traditionsreichen Hundeschlittenrennens über Investitionsangebote an lokale Unternehmer bis zur Thematisierung der dänischen Kolonialgeschichte in konservativen US-Medien. Horn habe zudem gegenüber Reuters eingeräumt, Berichte über grönländische Politiker an Mitarbeiter des Weißen Hauses geschickt zu haben.

Grönlands Außenminister Mute Egede sagte Reuters: „Ich respektiere keine Menschen, die nicht respektieren, dass Grönland dem grönländischen Volk gehört.“ Die Abgeordnete Pipaluk Lynge sagte Reuters: „Wir sind eine Kolonie. Wir kennen die Methoden, mit denen ein Land übernommen wird.“

Trump greift Grönland erneut an

Trump selbst hatte das Thema vergangene Woche erneut aufgegriffen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „Nato war nicht da, als wir sie brauchten. Erinnert euch an Grönland, dieses große, schlecht regierte Stück Eis!“

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Die Äußerung knüpft an einen Streit an, der das Bündnis bereits zu Jahresbeginn belastet hatte. Damals hatte Trump erklärt, die USA wollten die strategisch wichtige Arktisinsel übernehmen, notfalls auch mit militärischen Mitteln.

Dahinter stehen auch Rohstoff-Interessen: In Grönland lagern große Vorkommen seltener Erden. Nach heftigen Reaktionen aus Europa relativierte Trump seine Pläne. Der US-Präsident hatte seinen Vorstoß unter anderem damit begründet, die Insel müsse vor Einfluss aus Russland und China geschützt werden.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte gegenüber Reuters, die Regierung führe „diplomatische Gespräche auf hoher Ebene“ mit Grönland und Dänemark über die nationalen Sicherheitsinteressen der USA. Der Parlamentarier Per Berthelsen sagte Reuters, der „mentale Terror“ der Trump-Regierung habe bei den Grönländern das Gegenteil des gewünschten Effekts ausgelöst. Eine im Januar 2026 für die Copenhagen Post erhobene Umfrage ergab, dass 76 Prozent der Grönländer es nicht als Vorteil sehen würden, Teil der USA zu werden.

Grönland ist die größte Insel der Welt und ein selbstverwaltetes Gebiet im Königreich Dänemark, einem Nato-Mitglied. Auf der arktischen Insel im Nordatlantik zwischen Kanada und Island leben rund 56.700 Menschen, die große Mehrheit gehört der Inuit-Bevölkerung an; Amtssprache ist Kalaallisut. Wirtschaftlich hängt Grönland bis heute stark von der Fischerei und einem hohen dänischen Finanzzuschuss ab.

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