Die Zahl der Bundeswehr-Auftritte an deutschen Schulen ist innerhalb weniger Jahre stark gestiegen. Wie aus Antworten des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, kam die Truppe im vergangenen Jahr auf mehr als 6100 Besuche in Bildungseinrichtungen. 2021 waren es noch rund 2600 Auftritte. Der Rheinischen Post liegt die Antwort des Ministeriums vor.
Auch im laufenden Jahr setzt sich der Trend fort: Allein im ersten Quartal verzeichnete das Ministerium 2013 Schulbesuche, weitere Termine seien bereits in Planung. Hinzu kamen 20 Auftritte an Hochschulen.
Die meisten Bundeswehr-Besuche an bayerischen Schulen
Regional fallen die Unterschiede deutlich aus. Die meisten Besuche entfielen auf Bayern mit 562 Terminen im ersten Quartal – das entspricht fast der Hälfte des bayerischen Gesamtwerts von rund 1100 Auftritten im Jahr 2025. Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 291, Niedersachsen mit 269 und Baden-Württemberg mit 219 Terminen. Selten zu Gast war die Bundeswehr dagegen im Saarland mit zwölf und in Bremen mit fünf Auftritten.
Die Bundeswehr darf Schulen besuchen und dort über Sicherheitspolitik informieren, eine aktive Werbung für den Dienst ist ihr jedoch untersagt.
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Nicole Gohlke, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, kritisierte die Entwicklung gegenüber der Rheinischen Post. „Aller Beteuerungen des Verteidigungsministeriums zum Trotz wird durch die Zahlen deutlich, dass eine Rekrutierungsabsicht nicht wegzureden ist“, sagte Gohlke. Uniformierte Jugendoffiziere und Karriereberater seien ein „strategisches Mittel, um Minderjährige an das Militär zu gewöhnen“. Insbesondere in der Oberstufe nähmen die Schulbesuche zu – „also genau an dem Punkt, an dem Jugendliche und junge Erwachsene unmittelbar vor Berufsentscheidungen stehen“.
Hintergrund der verstärkten Präsenz ist der wachsende Personalbedarf der Streitkräfte. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will die Personalstärke der Bundeswehr bis 2035 auf rund 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten erhöhen. Anlass sind neue Nato-Vorgaben angesichts der erhöhten Bedrohung durch Russland.
Die zum Jahreswechsel in Kraft getretene Wehrdienstreform sieht vor, dass Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 verpflichtend einen Fragebogen ausfüllen und zur Musterung gehen müssen. Der Wehrdienst selbst bleibt vorerst freiwillig. Das Verteidigungsministerium behält sich nach eigenen Angaben jedoch die Einführung einer Bedarfswehrpflicht vor, sollte die Personallage der Streitkräfte dies erfordern.
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