Die Berliner Opferberatungsstelle Reach Out hat für das Jahr 2025 die höchste Zahl rassistischer und rechtsextrem motivierter Angriffe in der Hauptstadt seit 2019 dokumentiert und einen besseren Schutz Betroffener gefordert.
Insgesamt zählte die Beratungsstelle im vergangenen Jahr 358 Angriffe nach 328 im Jahr 2024, wie sie am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung ihres Jahresberichts mitteilte. Dabei seien mindestens 545 Menschen verletzt, massiv bedroht, gejagt oder bespuckt worden, darunter 25 Kinder und 43 Jugendliche. Die Angriffe ereigneten sich den Angaben zufolge meist im öffentlichen Raum, in Verkehrsmitteln, auf Demonstrationen, in Supermärkten und Restaurants.
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Mitte zählt die meisten Attacken
Bezirklicher Schwerpunkt war laut Johanna Mohrfeldt von Reach Out der Bezirk Mitte mit 67 Angriffen (2024: 62), gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg mit 64 (2024: 55) und Lichtenberg/Hohenschönhausen mit 37 Fällen (2024: 37). Mehrheitlich handelte es sich nach Darstellung der Beratungsstelle um Körperverletzungen (217), gefährliche Körperverletzungen (101) und massive Bedrohungen (37).
Mit 208 von 358 Taten sei mehr als die Hälfte der Angriffe rassistisch motiviert gewesen, davon mindestens 37 aus einem antimuslimischen Motiv. 28 Angriffe hätten sich gegen schwarze Menschen gerichtet. Antisemitische Vorfälle würden seit 2024 ausschließlich von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) veröffentlicht.
Vorwurf der Täter-Opfer-Umkehr
Parto Tavangar von Reach Out forderte neben einer „konsequenten Strafverfolgung“ amtliche Auskunftssperren und die Unkenntlichmachung persönlicher Daten, um Betroffene vor weiteren Bedrohungen zu schützen. Beklagt wurde zudem eine „häufige Täter-Opfer-Umkehr durch Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte“. Dies führe dazu, dass Betroffene nicht nur eingeschüchtert, sondern selbst kriminalisiert würden. Für Menschen im Asyl- und Aufenthaltsverfahren bedeute dies eine Gefährdung ihrer Bleiberechtsperspektiven.
Die Beratungsstelle führte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 1042 Beratungsgespräche mit Betroffenen. Sie geht von einer hohen Dunkelziffer aus: Viele Betroffene meldeten Vorfälle nicht, „aus Angst vor weiterer Kriminalisierung“ oder „mangelndem Vertrauen in staatliche Institutionen“. (mit epd)
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