Bei Wilschdorf an der Stadtgrenze von Dresden ist ein spätbronzezeitliches Ringdepot zutage gekommen. Wie das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) am Montag mitteilte, entdeckte der zertifizierte ehrenamtliche Sondengänger Ronald Meißner sechs gerippte Bronzeringe sowie ein Ringfragment. Die Stücke werden auf die Zeit zwischen 1300 und 1100 vor Christus datiert.
Form und Verzierung der Fundstücke ermöglichen eine genaue zeitliche Einordnung. Zwei der Ringe sind tordiert, also in sich verdreht, und besitzen gerade verzierte Enden, die sich überlappen – sie werden als Armringe identifiziert. Bei den vier weiteren Ringen handelt es sich um schräg gerippte, offene Beinringe. Das Gesamtgewicht des Ensembles beträgt 837,2 Gramm.
Vergleichbare Arm- und Beinringe sind aus ganz Mitteleuropa bekannt. Sie gehörten zur zeitüblichen Tracht und dienten zugleich der Demonstration von Wohlstand. Nach Einschätzung des LfA handelt es sich um einen typischen, absichtlich niedergelegten Depotfund der späten Bronzezeit.
Rituelle Opfergaben statt versteckter Notgroschen
Warum Menschen vor mehr als 3000 Jahren derart aufwendig gearbeitete Schmuckstücke mit beträchtlichem Materialwert in der Erde verbargen, wird in der Forschung seit Langem diskutiert. Sicher scheint laut LfA jedoch, dass es sich nicht um in Notzeiten verborgene Schätze handelt, die später nicht mehr geborgen werden konnten.
Ein Sondengänger entdeckte den Schatz aus der späten Bronzezeit.
© Landesamt für Archäologie Sachsen
In der Bronzezeit entstanden mit dem Wissen um Metalllagerstätten, Metallherstellung und der Kontrolle von Verkehrswegen neue Herrschaftsstrukturen und Machtzentren, die die Gesellschaft veränderten. Da sich in Mitteleuropa zahlreiche vergleichbare Bronzedepots mit teils regelhafter Zusammensetzung finden, vermuten Fachleute bewusste, rituell definierte Opfergaben – möglicherweise an heute unbekannte Gottheiten.
Die sächsische Landesarchäologin Regina Smolnik kündigte an, das LfA werde sich als Forschungseinrichtung intensiv mit dem Fund beschäftigen und ihn mit anderen Funden dieser Epoche in Zusammenhang bringen, „um das Bild einer der wichtigsten Blütezeiten Sachsens weiter zu vervollständigen“.
Der Sondengänger Meißner habe sich vorbildlich verhalten, betont das Amt: Er beließ die Objekte im Boden und informierte umgehend die zuständigen Stellen. Daraufhin rückte ein Team aus Wissenschaftlern und Grabungstechnikern an und barg die Stücke fachgerecht. Sie wurden nun gereinigt, registriert und restauriert.
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Goldbarren: Gemeinde erhält Fund nach Ablauf der Frist
Während der Bronzeringfund klar in den Bereich der Bodendenkmalpflege fällt und sich für den Finder monetär nicht auszahlt, bewegte zuletzt ein anderer Edelmetallfund im Dresdner Umland die Region – mit deutlich kürzerer Vorgeschichte. In Bannewitz hatte ein Klärwärter des Abwasserbetriebs im Oktober vergangenen Jahres beim Rasenmähen zufällig zehn kleine Goldbarren mit je einer Unze Gewicht entdeckt und gemeldet. „Ich dachte erst an einen Scherz, als ich den Anruf bekam“, erinnert sich Bürgermeister Heiko Wersig im Gespräch mit der OAZ. Er habe es nicht glauben können, schickte dann aber trotzdem das Ordnungsamt zur Fundstelle. Anschließend übernahm die Polizei und ermittelte, ob der Goldfund in Zusammenhang mit einer Straftat stehen könnte.
Bislang konnte das Mysterium allerdings nicht aufgeklärt werden. Auch ein Eigentümer wurde nicht ermittelt. Zwar gingen rund ein Dutzend privater Hinweise ein, unter anderem aus Hamburg, doch keiner der Melder konnte anhand der Seriennummern den rechtmäßigen Besitz nachweisen. Das lässt viel Raum für Spekulationen. Was könnte passiert sein? So vermuten Bannewitzer, dass die Goldbarren bei einer Verfolgungsjagd aus dem Auto geworfen worden sein könnten, berichtet Bürgermeister Wersig. Oder eine Drohne, die mit dem wertvollen Schatz beladen war, ihre Fracht beim Fliegen verloren hat. So oder so bleibt es eine rätselhafte Geschichte.
Nun weicht die Verwunderung in der kleinen Gemeinde südlich von Dresden der Freude. Denn mit dem Ablauf der sechsmonatigen Frist am vergangenen Freitag fällt das Gold nun in das Eigentum der Gemeinde Bannewitz. „Wir haben es nicht geglaubt, aber nun erweist sich der Fund als Segen für uns“, sagte Wersig.
Der Erlös soll den Vereinen der Gemeinde direkt zugutekommen. Wersig hat eine Liste mit zehn Vereinen zusammengestellt, die er am morgigen Gemeindestammtisch vorstellen und beraten will. Ihm sei es wichtig, dass vor allem die Vereinsarbeit im Kinder- und Jugendbereich finanziell unterstützt wird. Heimat-, Karnevals- und Feuerwehrverein stehen auch auf seiner Liste. Am Dienstag in der kommenden Woche wird der Gemeinderat darüber entschieden, wem der Geldsegen zugute kommt. Mit der Polizei steht Wersig im Kontakt, um die Übergabe des Goldes zu klären.
Die Goldbarren werden dann aus Dresden abgeholt, wo es derzeit verwahrt wird. Dann bekommen die Vorsitzenden der ausgewählten Vereine das Gold offiziell überreicht. Ein Dienstleister wird die Barren anschließend verkaufen und das Geld auf die Vereinskonten überweisen, so Wersig. Nach tagesaktuellem Kurs sind die zehn Unzen – umgerechnet 283,495 Gramm – etwas mehr als 40.000 Euro wert.
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