Endlich auch einmal jubeln. Einmal in dieser sonst so verkorksten Saison, an deren Ende der FC Erzgebirge Aue in die Regionalliga absteigen wird, durften die Fans sich gegenseitig in die Arme springen und ihre Bierbecher voller Freude durch die Ränge pfeffern. 2:0 (0:0) gewann ihr Verein am Mittwochabend im Halbfinale des Sachsenpokals und zu Gast im Stadion an der Gellertstraße beim Rivalen vom Chemnitzer FC vor 14.658 Fußballfans.
Marcel Bär wird zum Derbyheld
Es war vor allem Marcel Bär, bei dem sich die Fans für diesen seltenen Moment der Euphorie bedanken dürfen. Einmal stand der in der 71. Minute goldrichtig und musste den Ball zur Führung nur noch über die Linie drücken. Kurz vor dem, als Chemnitz alles nach vorne geworfen hatte, vollendete Bär einen Konter zum 2:0-Endstand (90+2). „Es fühlt sich sehr gut an, nach diesen sehr schweren Monaten“, sagte Bär nach dem Spiel zum MDR. „Ich freue mich extrem für den Verein und die Fans.“ Letztere hatten am Morgen des Spieltags noch zu den Spielern gesprochen und vor allem Einsatz gefordert. „Das ist für sie das wichtigste Spiel des Jahres“, sagte Bär. Er freue sich, „dass wir ihnen dieses Jahr wenigstens etwas zurückgeben konnten“. Auch für ihn selbst war der Erfolg wichtig: „Das war der erste Sieg, bei dem ich auf dem Platz stand, in diesem Jahr.“
Aues Interimstrainer Khvicha Shubitidze habe Bär trotz des Doppelpacks nach dem Spiel erst einmal gefragt, ob er denn mitgespielt habe, verriet Bär. „Das war ein Spaß, das versteht er“, klärte Shubitidze beim MDR auf. Den Einzug ins Finale habe seine Mannschaft vor allem ihrer Einstellung zu verdanken. „Sie wussten von Anfang an, worum es geht“, sagte er.
Großes Polizeiaufgebot in Chemnitz
Klar, die Fans hatten das am Morgen ja bereits vermittelt. Dass dieses Spiel eine gewisse Brisanz mit sich bringt, hätten die Spieler aber auch am großen Polizeiaufgebot in Chemnitz erkennen können. Etwa 500 Polizisten waren am Mittwoch rund um das Pokal-Halbfinale im Einsatz. Der Bericht der Polizei Sachsen enthielt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag keine Informationen zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Fans. Ermittlungsverfahren habe sie wegen Abrennens von Pyrotechnik und Sachbeschädigungen eingeleitet.
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Es ist vorstellbar, dass die Chemnitzer zerstörte Toiletten im Gästebereich besser verkraften als das Aus im Pokal. „Es tut weh“, sagte Trainer Benjamin Duda gegenüber dem MDR. Zwar sind Aues Chancen auf den Klassenerhalt nur noch in der Theorie erhalten, doch an diesem Mittwoch ging Chemnitz noch als unterklassiger Gegner ins Spiel. Daher, so Duda, hätte eine ordentliche Leistung nicht gereicht, um ins Finale einzuziehen. „Wir hätten eine sehr gute Leistung gebraucht, und die haben wir heute leider nicht gebracht“, sagte er.
Für Aue ist es nach der Vorsaison der erneute Einzug ins Finale des Sachsenpokals. Vor einem Jahr verpassten die Veilchen gegen Lok Leipzig nach einem Pokalkrimi, der mit Elfmeterschießen endete (5:6), ganz knapp den Titel. In dieser Saison treffen sie auf den FSV Zwickau. Das nächste Derby steht für Bär und Co. also an. Womöglich gelingt es ihnen ja noch einmal, ihre Fans durch den ersehnten Pokalsieg jubeln zu lassen. Es wäre nun immerhin schon das zweite Mal in dieser Saison. Und diesmal dürfte der Jubel noch größer ausfallen.
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