Es gibt einen bemerkenswerten Reflex im westlichen Mediendiskurs, der sich in dieser Woche wieder mustergültig studieren ließ. Als das türkische Parlament am gestrigen 23. April ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren beschloss, war die Tonlage in Tagesschau, Spiegel, Deutschlandfunk und Zeit erwartungsgemäß einhellig: „umstritten“, „Sorge vor wachsender Überwachung“, „autoritäre Überwachungsgesellschaft“. Der türkische Netzaktivist Yaman Akdeniz wurde mit dem Satz zitiert, die Infrastruktur für eine autoritäre Überwachungsgesellschaft sei nun „offiziell vorbereitet“. Die Opposition warf der Regierung Erdoğan vor, unter dem Deckmantel des Kinderschutzes neue Beschränkungen einzuführen.
Freiheit
Social-Media-Verbot: In der Türkei „Zensur“, in der EU „Jugendschutz“
Während das Social-Media-Verbot für U15 in der Türkei als autoritäre Zensur gilt, feiern wir es in Europa als notwendigen Jugendschutz. Das sagt viel aus.
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Einmal autoritäre Überwachung, einmal notwendiger Schutz. Darin offenbart sich eine deutliche Doppelmoral.
© IMAGO/Jonathan Raa
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