Die kanadische Regierung hat dem Energiekonzern Enbridge grünes Licht für den Ausbau seines Sunrise-Pipelinesystems in British Columbia für mehr Exporte nach Asien gegeben. Das teilte das Ministerium für natürliche Ressourcen am Freitag in Ottawa mit, wie etwa der kanadische Sender CBC berichtete. Es wird erwartet, dass das Projekt vier Milliarden kanadische Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) kosten wird.
Geplant ist der Bau von rund 140 Kilometern neuer Pipeline in elf Abschnitten parallel zur bestehenden Westcoast-Leitung, die Gasfelder im Nordosten von British Columbia und im Nordwesten Albertas mit der US-Grenze verbindet. Die Pipeline transportiert somit Erdgas zur kanadischen Pazifikküste, wo es verflüssigt (LNG) und per Tanker nach Asien verschifft werden soll. Die Transportkapazität soll um 300 Millionen Kubikfuß pro Tag steigen, ein Plus von 17 Prozent. Baubeginn ist im Sommer, die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 vorgesehen.
Laut Ressourcenminister Tim Hodgson trägt das Vorhaben rund drei Milliarden Dollar zum Bruttoinlandsprodukt bei, schafft auf dem Höhepunkt der Bauphase etwa 2500 Arbeitsplätze und soll 700 Millionen Dollar an Steuereinnahmen generieren. „Kanada baut wieder“, sagte Hodgson bei einer Rede in Toronto. Bis Frühjahr 2027 sollen weitere fünf bis zehn Großprojekte Investitionsentscheidungen erreichen.
Matthew Akman, bei Enbridge zuständig für das Gastransportgeschäft, erklärte laut CBC, ein Teil der zusätzlichen Kapazität werde „zweifellos ins Ausland gehen“. Die Kunden wollten kanadisches Gas verflüssigen und exportieren. Akman lobte die „stärkere Zielstrebigkeit“ der Liberalen Regierung, mahnte aber raschere Verfahren an: An dem Projekt arbeite man bereits seit fast vier Jahren.
Verhandlungsmasse gegenüber Washington
Premierminister Mark Carney sieht in höheren Energieexporten nach Asien einen Hebel, um die belasteten Handelsbeziehungen zu den USA auszugleichen. Der Ausbau der Pipeline sei Teil von Kanadas „Strategie der Handelsdiversifizierung“, erklärte auch das Ministerium für natürliche Ressourcen. Gleichzeitig kann die Pipeline jedoch auch LNG-Lieferungen in die USA erleichtern – ein möglicher Vorteil bei den anstehenden Verhandlungen über das Nordamerikanische Handelsabkommen CUSMA mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump.
Heather Exner-Pirot vom Macdonald-Laurier Institute verwies gegenüber CBC darauf, dass die USA inzwischen wieder mehr Gas aus Kanada importieren – getrieben durch den Strombedarf von Rechenzentren und steigende eigene LNG-Exporte. Jay Khosla vom Public Policy Forum sagte dem Sender, der Ausbau der Exportkapazitäten verschaffe Ottawa zusätzliches Verhandlungsgewicht.
Für den durch den Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran angespannten internationalen LNG-Markt bringt das Projekt nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) keine kurzfristige Entlastung. Längerfristig könnte Kanada allerdings davon profitieren, dass seine Lieferungen nach Asien die Konfliktregion nicht passieren müssen.
Lob aus Victoria, Kritik von Umweltgruppen
British Columbias Premier David Eby begrüßte das Vorhaben als Beitrag zu Arbeitsplätzen und einer „unabhängigeren kanadischen Wirtschaft“. Enbridge hatte 2025 einen Anteil von 12,5 Prozent an der bestehenden Westcoast-Pipeline an die Stonlasec8 Indigenous Alliance verkauft, einen Zusammenschluss von 36 indigenen Gemeinschaften. Diese können sich optional auch am Ausbau beteiligen.
Umweltverbände kritisierten die Entscheidung scharf. Alex Walker von Environmental Defence Canada sprach gegenüber CBC von einer „katastrophalen Klimaentscheidung“, die das Wachstum der fossilen Industrie über Kanadas Klimaverpflichtungen stelle.
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