Geisterinsel

Geheime DDR-Anlage im Meer: Diese Lost-Place-Plattform vor Rügen kommt unter den Hammer

Einst geheime Militärstation der Volksmarine, heute morbider Lost Place: Diese DDR-Plattform vor Rügen wird jetzt für 39.000 Euro versteigert.

OAZ
4 Min
Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage der NVA im Greifswalder Bodden vor Rügen: Steht jetzt zum Verkauf

Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage der NVA im Greifswalder Bodden vor Rügen: Steht jetzt zum Verkauf

© Christian Thiel/imago

Verlassen, marode, mitten im Meer: Im Greifswalder Bodden vor Rügen wird eine der ungewöhnlichsten Immobilien Deutschlands versteigert. Die ehemalige Entmagnetisierungsstation der DDR-Volksmarine – ein echter Lost Place auf Stelzen – kommt am 4. Juni 2026 in Hamburg unter den Hammer. Das Mindestgebot liegt bei 39 000 Euro – für ein marodes Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges.

Das Objekt im Überblick

Lage: Greifswalder Bodden, zwischen Halbinsel Reddevitz und Insel Vilm (Rügen)

Baujahr: um 1954

Fläche: ca. 710 m² Land- und Wasserfläche, ca. 250 m² Nutzfläche

Mindestgebot: 39.000 Euro

Pacht: 75 Euro pro Jahr (Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund)

Auktionstermin: 4. Juni 2026, 11 Uhr, Haus der Patriotischen Gesellschaft, Hamburg

Besichtigung: nicht möglich (Einsturzgefahr)

DDR-Plattform auf 600 Holzpfählen im Greifswalder Bodden

Gebaut wurde die Anlage bereits um 1954 – auf rund 600 Holzpfählen, die in etwa zehn Metern Tiefe in den Meeresboden gerammt wurden. Auf der Betonplattform mit Holzbohlen, abgeschieden zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm gelegen, entstanden ein Wohnhaus und ein Maschinenhaus. Erreichbar ist der Lost Place ausschließlich über den Wasserweg. Heute befindet sich rund um die Plattform ein Biosphärenreservat.

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Vögel haben sich auf der früheren Entmagnetisierungsstation breitgemacht: Ihr Kot trägt dazu bei, dass die Anlage weiter verfällt

Vögel haben sich auf der früheren Entmagnetisierungsstation breitgemacht: Ihr Kot trägt dazu bei, dass die Anlage weiter verfällt

© CHROMORANGE/imago

Geheime Mission: Wie die Volksmarine hier Schiffe „unsichtbar“ machte

Zu DDR-Zeiten diente die Plattform der Volksmarine als Entmagnetisierungsstation. Über Kabelschleifen am Meeresboden wurden die Magnetfelder von Schiffen gemessen und reduziert – mit dem Ziel, die Boote gegen magnetisch auslösende Minen und Torpedos weniger anfällig zu machen.

Matrosen waren auf der Anlage stationiert; sie überwachten Generatoren, bedienten die Technik und kontrollierten die Messungen. Meist waren drei Soldaten auf der Station und jeweils für ein oder zwei Wochen im Dienst. Alles, was gebraucht wurde, kam per Schiff.

Nach der Wende dem Verfall preisgegeben

Nach der Wiedervereinigung verlor die Station ihre Funktion. Die Bundeswehr hatte eine eigene Entmagnetisierungsstation in Wilhelmshaven und übernahm die DDR-Plattform nicht. Zurück blieb ein Bauwerk, das langsam verfiel.

Heute ist der Zustand trostlos und marode, wie in den Unterlagen des Auktionshauses Norddeutsche Grundstücksauktionen zu lesen ist: Setzungsrisse, verrostete Stahlteile, zerstörte Fenster sowie Schäden durch Wind, Wellen und Wetter, Vogelkot und Vandalismus. Algen wachsen an den Mauern empor. Besichtigt werden kann der Lost Place auf See nicht.

„Ostervilm“: Gescheiterte Pläne für Kunst, Freizeit – und ein Bordell

Wie viele Lost Places fasziniert auch dieser: Im Jahr 2001 erwarben ein Architekt und ein Maschinenbauingenieur die Plattform und gaben ihr den Namen „Ostervilm“. Vorgesehen war eine Nutzung für Kunst und Ausstellungen. Bis heute steht auf der Plattform eine frei aufgestellte Skulptur des Architekten – eine etwa 1,3 Tonnen schwere Keramikglocke. (Sie ist nicht Teil der Auktion.)

Die geplanten Projekte scheiterten jedoch an baulichen, logistischen und rechtlichen Hürden. Später kursierten Ideen für Freizeitnutzungen – sogar von einem Bordell soll die Rede gewesen sein.

Auktion am 4. Juni 2026 in Hamburg: Ab 39.000 Euro

Nun also steht die ehemalige Entmagnetisierungsanlage zur Auktion. Rund 710 Quadratmeter Land- und Wasserfläche umfasst das Objekt, dazu etwa 250 Quadratmeter Nutzfläche. Ein Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund besteht; das jährliche Entgelt liegt bei gerade einmal 75 Euro.

Wer mitbieten will, muss sich registrieren und Unterlagen vorlegen. Besichtigungen der DDR-Militäranlage auf See sind wegen des maroden Zustands ausgeschlossen – Interessenten müssen sich auf die Auktionsunterlagen verlassen.

Ob sich ein Käufer für das marode Objekt findet? Entscheiden wird sich das am 4. Juni 2026 ab 11 Uhr in Hamburg, im Haus der Patriotischen Gesellschaft. Die Auktion ist öffentlich zugänglich. Der Zuschlag erfolgt traditionell nach dem dritten Hammerschlag.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur DDR-Plattform vor Rügen

Wo genau liegt die Plattform?
Im Greifswalder Bodden vor Rügen, abgeschieden zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm. Sie ist ausschließlich per Boot erreichbar.

Was kostet die DDR-Plattform mindestens?
Das Mindestgebot bei der Auktion liegt bei 39.000 Euro. Hinzu kommt eine jährliche Pacht von 75 Euro an das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund.

Kann man die Plattform vor der Auktion besichtigen?
Nein. Wegen des maroden Zustands sind Besichtigungen ausgeschlossen. Interessenten müssen sich allein auf die Auktionsunterlagen verlassen.

Wann und wo findet die Auktion statt?
Am 4. Juni 2026 ab 11 Uhr im Haus der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg. Die Auktion ist öffentlich zugänglich.

Wofür wurde die Plattform früher genutzt?
Sie diente der DDR-Volksmarine als Entmagnetisierungsstation. Dort wurden Magnetfelder von Schiffen reduziert, um sie vor magnetisch auslösenden Minen und Torpedos zu schützen.

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