Invasion

Pablo Escobars Flusspferde spalten Kolumbien – Touristenmagnet oder tödliche Plage?

Pablo Escobars einstige Zoo-Tiere werden in Kolumbien zum Problem: Die Flusspferde breiten sich rasant aus, greifen Menschen an und spalten nun ein ganzes Land.

3 Min
Nilpferde suhlen sich in einer Lagune im Park der Hacienda Napoles, dem ehemaligen Privatanwesen des Drogenbosses Pablo Escobar.

Nilpferde suhlen sich in einer Lagune im Park der Hacienda Napoles, dem ehemaligen Privatanwesen des Drogenbosses Pablo Escobar.

© Fernando Vergara/dpa

Sie stammen aus dem Privat-Zoo des Drogenbosses Pablo Escobar, heute breiten sie sich unkontrolliert in Kolumbien aus: Die Nachkommen der einst illegal eingeführten Flusspferde sorgen im südamerikanischen Land für einen erbitterten Streit. Die Regierung will nun rund 80 Tiere töten lassen – doch viele Bewohner protestieren.

Entlang des Magdalena-Flusses gehören Begegnungen mit den massigen Tieren inzwischen zum Alltag. Fischer berichten von gefährlichen Angriffen auf Boote. „Diese Flusspferde sind ein echter Albtraum“, sagte der Fischer Wilinton Sánchez der Nachrichtenagentur AP. Erst vor wenigen Tagen habe ein Tier sein Boot attackiert. „Wenn es dich erwischt, zerreißt es dich.“

Gleichzeitig sind die Tiere zu einer Touristenattraktion geworden. In Puerto Triunfo, rund 200 Kilometer von Bogotá entfernt, bieten Einheimische inzwischen regelrechte „Hippo-Touren“ an. Besucher aus Kolumbien und dem Ausland fahren mit Booten über Nebenarme des Flusses, um die Tiere zu beobachten. Viele Restaurants und kleine Hotels leben inzwischen davon.

Puerto Triunfo: Carlos Diaz, Fischer und Reiseleiter, steuert ein Touristenboot auf einem Nilpferd-Beobachtungsausflug entlang des Magdalena-Flusses.

Puerto Triunfo: Carlos Diaz, Fischer und Reiseleiter, steuert ein Touristenboot auf einem Nilpferd-Beobachtungsausflug entlang des Magdalena-Flusses.

© Fernando Vergara/dpa

Wie Escobars Flusspferde zum Problem wurden

Die rund 200 Flusspferde gehen auf Tiere zurück, die Escobar in den 1980er Jahren für seine Luxus-Finca Hacienda Nápoles importieren ließ. Nach seinem Tod blieben einige Tiere zurück – und vermehrten sich rasant. Nach Schätzungen des Umweltministeriums könnte ihre Zahl bis 2030 auf mehr als 500 steigen.

Biologen warnen vor massiven Folgen für das Ökosystem. Flusspferde gelten als aggressive Tiere und haben in Kolumbien keine natürlichen Feinde. Zudem verdrängen sie andere Arten und verändern Flüsse und Uferlandschaften.

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„Sie sind nicht mehr afrikanisch, sie sind kolumbianisch“

Die Regierung setzt deshalb auf einen Mix aus Umsiedlung, Gehegen und im äußersten Fall Tötungen. Genau daran entzündet sich nun heftiger Widerstand. Wissenschaftler, die sich für das Töten der Tiere aussprechen, berichten laut AP sogar von Drohungen. Tierschützer sprechen von einem „Massaker“.

„Sie sind nicht mehr afrikanisch, sie sind kolumbianisch“, sagte Restaurantbesitzerin Diana Hincapié der AP. Sollte die Regierung ihre Pläne umsetzen, wolle sie auf die Straße gehen.

Auch eine Umsiedlung ins Ausland galt bislang als schwierig. Mehrere Länder hätten zwar Interesse signalisiert, erklärte das kolumbianische Umweltministerium, konkrete Zusagen habe es jedoch lange nicht gegeben. Inzwischen hat allerdings der indische Unternehmer Anant Ambani angeboten, 80 der Tiere in sein Wildtierzentrum „Vantara“ im indischen Bundesstaat Gujarat aufzunehmen, wie unter anderem der britische Guardian berichtet. Ob Kolumbien auf das Angebot eingeht, ist bislang offen.

Einige Experten halten selbst die Umsiedlung für problematisch, weil Flusspferde extrem gefährlich sind, jeweils mehrere Tonnen wiegen und sich schwer betäuben lassen. Zudem ist unklar, ob die Tiere dort langfristig artgerecht gehalten werden können.

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