Nach scharfer Kritik von Eltern und Schulleitung hat der Bayerische Rundfunk (BR) einen Beitrag des Magazins „Klar“ mit Moderatorin Julia Ruhs nachträglich bearbeitet. Aus der Sendung mit dem Titel „Wo der Islamismus Deutschland unterwandert“, die in der vergangenen Woche erschien, wurden rund 31 Sekunden entfernt.
Das ergibt ein Vergleich der ursprünglich vom Sender bereitgestellten Fassung mit der aktuellen Version in der ARD-Mediathek, wie das Portal T-Online berichtete. Auf Anfrage der Berliner Zeitung äußerte sich der BR jetzt.
Schulleiterin spricht von Instrumentalisierung
Konkret betroffen sind Aussagen von drei Kindern der Elbe-Schule in Berlin-Neukölln, die vor der Kamera über Konflikte um das Pausenbrot während des muslimischen Fastenmonats Ramadan gesprochen hatten. Zwei weitere Kinder, die ein „Friedenslied“ sangen, wurden nachträglich verpixelt.
Mehrere Eltern hatten sich an die Wochenzeitung Der Freitag gewandt und dem Format vorgeworfen, ihre Kinder zur Illustration eines vorgefertigten Narrativs benutzt zu haben. „Von der Schule wurde uns gesagt, der Beitrag sei über Diversität an Neuköllner Schulen. Ich habe die Unterschrift im Vertrauen gesetzt, weil es ja der BR war“, so die Mutter eines gefilmten Kindes gegenüber dem Medium. Im vergangenen Jahr habe es Probleme mit dem Fasten unter Kindern gegeben, in diesem Jahr aber nicht mehr, nachdem die Schule reagiert habe.
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Ein anderes Elternteil, das namentlich nicht genannt werden wollte, sagte dem Freitag, dem eigenen Kind sei nicht klar gewesen, dass der „Pausenbrot-Krieg“ das einzige Thema des Beitrags sein würde. Schulleiterin Deniz Taner erklärte, sie fühle sich hintergangen und „in einem populistischen Kontext instrumentalisiert“. Der Name des Formats „Klar“ und der Moderatorin Julia Ruhs seien im Vorfeld nicht erwähnt worden.
BR reagiert auf Vorwürfe nach „Klar“-Folge
Auf Anfrage teilte ein Sprecher des BR der Berliner Zeitung mit: „Die Redaktion informierte die Schule von Beginn an klar über den Fokus der Dreharbeiten: Fasten im Ramadan als Konfliktthema auf dem Schulhof und die Bedeutung religiöser Toleranz“. Diese Konflikte seien durch einen Elternbrief der Schulleitung dokumentiert, aus dem diese in der Sendung auch zitiert. Der Beitrag zeige zudem, wie sich die Schule seither erfolgreich für Toleranz einsetzt und würdige sie ausdrücklich.
Die Eltern hätten den Dreharbeiten mit ihren Kindern schriftlich eingewilligt. „Nachdem einzelne Eltern ihre Zustimmung im Nachgang widerrufen haben, haben wir umgehend reagiert und entsprechende Szenen in unserem Film entfernt oder unkenntlich gemacht“. Konkret sei die Sequenz entfernt worden, in der Schüler über das Thema Fasten sprächen. Die Szene mit Schülern, die gemeinsam singen, sei verpixelt worden. Der Beitrag sei nur noch in der bearbeiteten Form verfügbar.
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