Medien

„Keinen anderen Weg, als einzuschreiten“: Virologe Drosten fordert „Qualitätssicherung“ im Journalismus

Christian Drosten fordert in einem Interview einen neuen Umgang mit wissenschaftlichen Informationen in den Medien. Er befürwortete dabei eine „Qualitätssicherung“.

2 Min
Christian Drosten wurde im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit bekannt.

Christian Drosten wurde im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit bekannt.

© Mike Schmidt/imago

Der Berliner Virologe Christian Drosten hat sich in einem Gespräch mit dem Süddeutsche Zeitung Magazin für eine neue „Qualitätssicherung“ im Journalismus ausgesprochen. Gemeinsam mit dem Förster und Autor Peter Wohlleben äußerte sich der Charité-Institutsdirektor zum Umgang mit Expertenwissen in der Öffentlichkeit und der Rolle der Medien.

Das eigentliche Problem sei die Verfügbarkeit von Informationen unterschiedlichster Qualität, sagte Drosten. Es entstehe der Eindruck, hochwertige Information sei leicht zugänglich – das sei jedoch eine Täuschung.

Drosten: Qualitätssicherung ist kein „Unterbinden mit Druck“

Drosten sprach dabei von dem „Eindruck, der uns serviert wird, dass Information guter Qualität offenbar leicht verfügbar sei“. Dies sei jedoch eine Täuschung. Die Qualitätssicherung sei beispielsweise bei YouTube-Videos da „komplett ausgesetzt“.

Online-Plattformen träten zunehmend an die Stelle einer langjährigen fachspezifischen Ausbildung. Die technischen Hürden zur Verbreitung von Informationen seien gesunken.

Im klassischen Journalismus gebe es bis heute „Berufsregularien und Qualitätskriterien“. Drosten forderte, ein Bewusstsein zu schaffen, „das eine finanzielle Unterstützung von qualitätsgesicherten Informationsquellen vorantreibt“. Die Qualitätssicherung sei dabei eine „gewollte Filterwirkung“, kein „Unterbinden mit Druck“.

Er fordere nicht, dass die Politik dies „von oben herab“ übernehme. Er glaube, dass „eine berufsständische Qualitätssicherung ganz wichtig ist, im Bereich der Publizistik, des Journalismus, des Films, des Podcasts“. Er sehe, auch im Rückblick auf die Pandemie, „keinen anderen Weg, als auf diese Weise einzuschreiten“.

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Wohlleben, der neben Drosten ebenfalls interviewt wurde, merkte an, „dass auch die Wissenschaft selbstkritischer werden muss“. Diese könne „recht dogmatisch sein“. Es habe zu lang die Annahme gegeben, „man könnte das meiste erklären, vieles wäre sozusagen auserforscht“.


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