Pressefreiheit

Verschleppter Journalist in Burkina Faso: Spur führt in Geheimgefängnis

Atiana Serge Oulon hatte zu Korruptionsvorwürfen recherchiert. Später erklärte die Militärregierung, er sei eingezogen und in den Kampfeinsatz geschickt worden.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
In Ouagadougou wurde Atiana Serge Oulon nach Angaben von Reporter ohne Grenzen in ein Geheimgefängnis verschleppt.

In Ouagadougou wurde Atiana Serge Oulon nach Angaben von Reporter ohne Grenzen in ein Geheimgefängnis verschleppt.

© Ute Grabowsky/imago

Der burkinische Investigativjournalist Atiana Serge Oulon ist nach Recherchen der internationalen Pressefreiheitsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) in einem geheimen Gefängnis in der Hauptstadt Ouagadougou festgehalten und misshandelt worden. Das geht aus einer am Mittwoch von RSF veröffentlichten Untersuchung hervor, über die auch die Nachrichtenagentur AP berichtete.

Verschleppung im Morgengrauen

Oulon leitet die Zeitung L'Événement. Laut RSF wurde er am Morgen des 24. Juni 2024 von rund zehn bewaffneten Männern in Zivil aus seinem Haus geholt. Wenige Stunden später erschienen zwei Mitarbeiter des Geheimdienstes bei seiner Frau und beschlagnahmten den Computer und das Telefon des Journalisten.

Im Juli 2024 erklärte der Anführer der Militärjunta, Hauptmann Ibrahim Traoré, er habe einen Journalisten zwangsweise zur Armee einziehen lassen, ohne jedoch einen Namen zu nennen. Im Oktober 2024 sagte ein Vertreter des burkinischen Justizministeriums vor der Afrikanischen Kommission für Menschenrechte, mehrere Journalisten, darunter Oulon, seien einberufen und an die Front im Kampf gegen dschihadistische Gruppen geschickt worden.

Haft in einer Villa gegenüber der US-Botschaft

Laut RSF hat Oulon seit seiner Festnahme Ouagadougou nicht verlassen. Er sei im Stadtteil Ouaga 2000 in einer zur Haftanstalt umfunktionierten Villa festgehalten worden, die sich gegenüber der US-Botschaft befindet.

Frühere Häftlinge berichteten der Organisation, dass in einem Raum bis zu 40 Menschen eingesperrt gewesen seien. Sie hätten auf dem nackten Boden geschlafen, Wasser aus Toiletten getrunken und seien von Wachen mit Seilen oder Stöcken geschlagen worden. Oulon sei den Schilderungen früherer Mitgefangener zufolge besonders schwer misshandelt worden: Ein Offizier habe ihm einen Nagel in die Hand getrieben. Seit März 2025 habe die Gewalt gegen ihn nachgelassen. Sein aktueller Aufenthaltsort ist laut RSF unbekannt.

RSF sieht das Präsidialamt als direkt beteiligt an. Seit Oktober 2024 erlaube ein Dekret zusätzliche Haftorte außerhalb regulärer Gefängnisse. Ein Offizier aus Traorés Personenschutz soll Häftlinge vor ihrer Freilassung persönlich angewiesen haben, nach außen zu schweigen.

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Der westafrikanische Binnenstaat Burkina Faso gehört mit rund 25 Millionen Einwohnern zu den bevölkerungsreicheren Staaten der Sahelzone. Das frühere Obervolta war eine französische Kolonie, wurde 1960 unabhängig und trägt seit 1984 den Namen Burkina Faso. Die Bevölkerung ist ethnisch und sprachlich vielfältig, wirtschaftlich ist das Land schwach entwickelt. Seit den Militärputschen von 2022 steht Burkina Faso unter der Militärherrschaft von Ibrahim Traoré.

Recherche zu Veruntreuung als Hintergrund

Laut RSF steht Oulon seit Dezember 2022 im Visier der Junta. Damals deckte er die Veruntreuung von 400 Millionen CFA-Franc (umgerechnet rund 610.000 Euro) durch einen Hauptmann aus der Region Centre-Nord auf. Das Geld sei ursprünglich für zivile Unterstützungskräfte der Armee vorgesehen gewesen. Wenige Tage vor seiner Verschleppung habe Oulon erneut zu dem Fall publiziert. Reuters berichtete im August 2024, dass die Zeitung L'Événement nach der Verschleppung des Journalisten ihr Erscheinen ausgesetzt habe.

Seit dem Putsch von 2022 sind in Burkina Faso nach Angaben von RSF zehn Journalisten verschleppt, willkürlich inhaftiert oder zwangsweise zur Armee eingezogen worden. Sieben seien inzwischen wieder frei. Von zwei weiteren – Moussa Sareba und Bienvenue Apiou – gebe es kein Lebenszeichen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte laut AP in einem Bericht vom April erklärt, unter Traoré herrsche ein Klima der Angst und Informationen würden streng kontrolliert.

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