Rund 2,8 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren in Deutschland verfügen weder über einen Berufsabschluss noch über einen Hochschulabschluss. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht hervor, den das Bundeskabinett vorgelegt hat.
Der Bericht stützt sich unter anderem auf Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Demnach gab es Ende September des vergangenen Jahres weniger Ausbildungsplätze als zuvor. Gleichzeitig blieben mehr als 50.000 Stellen unbesetzt, während fast 40.000 Bewerber keinen Ausbildungsplatz fanden.
Bundesbildungsministerin Karin Prien führte das Ungleichgewicht auf strukturelle Gründe zurück: Angebot und Nachfrage passten häufig nicht zusammen. Verstärkt werde die Entwicklung durch regionale Unterschiede sowie eine ungleiche Verteilung über die einzelnen Ausbildungsberufe hinweg.
Verdi fordert bundesweite Ausbildungsumlage
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi machte vor allem die Betriebe für die Lage verantwortlich. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler erklärte, es passe nicht zusammen, einerseits über Fachkräftemangel zu klagen und sich andererseits aus der Verantwortung zu ziehen.
Die Gewerkschaft forderte die bundesweite Einführung einer Ausbildungsumlage, um Anreize für mehr ausbildende Betriebe zu schaffen. Als Vorbild nannte Verdi die bereits bestehenden Ausbildungsfonds in Bremen und Berlin. Zusätzlich brauche es mehr außerbetriebliche Ausbildungsangebote als „verlässliches Auffangnetz“. Hohe Zugangshürden müssten abgebaut werden, um allen jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu eröffnen.
Demografischer Wandel verschärft Fachkräftefrage
Die im Hauptausschuss des BIBB vertretenen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Länder verwiesen in einer gemeinsamen Stellungnahme auf den demografischen Wandel als zentrale Herausforderung für die Fachkräftesicherung. Künftig würden erheblich mehr Beschäftigte in den Ruhestand wechseln, als junge Menschen ins Erwerbsleben nachrückten. Sozialpartner, Bund und Länder müssten daher gemeinsam Lösungen entwickeln, um die Integration junger Menschen in die berufliche Bildung zu verbessern.
Die Arbeitgebervertreter im Ausschuss verwiesen zudem auf Defizite bei den Bewerbern: Zu oft fehlten grundlegende Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen, auch beim Arbeits- und Sozialverhalten gebe es Lücken. Bestehende Unterstützungsangebote müssten bekannter werden. Umgekehrt sollten Unternehmen ihre Ausbildungsstellen für Suchende, Eltern und Beratungsfachkräfte sichtbarer machen, etwa durch eine engere Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit.
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