Gerichtsunterlagen

„Es ist ein Geschenk“: Gericht veröffentlicht mutmaßlichen Epstein-Brief

Jahrelang blieb ein mutmaßlicher Abschiedsbrief von Jeffrey Epstein unter Verschluss. Nun wurde das Dokument veröffentlicht – und enthält mehrere rätselhafte Aussagen.

3 Min
Dokumente mit geschwärzten Passagen, die in den vom US-Justizministerium freigegebenen Epstein-Akten enthalten sind.

Dokumente mit geschwärzten Passagen, die in den vom US-Justizministerium freigegebenen Epstein-Akten enthalten sind.

© Jon Elswick/dpa

Ein Bundesrichter in New York hat einen bislang geheim gehaltenen Brief freigegeben, der nach Angaben von Beteiligten von Jeffrey Epstein stammen soll. Das handgeschriebene Dokument enthält unter anderem den Satz: „It is a treat to be able to choose one’s time to say goodbye“ („Es ist ein Privileg, den Zeitpunkt des Abschieds selbst wählen zu können“).

Der amerikanische Richter Kenneth Karas veröffentlichte das Schreiben am Mittwoch im Zusammenhang mit einem anderen Strafverfahren. Zuvor hatte die New York Times die Freigabe beantragt, nachdem sie vergangene Woche über die Existenz des Briefes berichtet hatte.

Karas erklärte, das Dokument sei Teil von Gerichtsunterlagen geworden und unterliege deshalb grundsätzlich dem öffentlichen Zugangsrecht. Zugleich betonte der Richter ausdrücklich, dass er weder die Echtheit des Briefes bestätige noch die Herkunft des Dokuments überprüft habe.

Brief soll in Gefängniszelle versteckt gewesen sein

Nach bisherigen Angaben soll der Zettel im Juli 2019 in der gemeinsamen Gefängniszelle von Epstein und seinem damaligen Zellengenossen Nicholas Tartaglione entdeckt worden sein. Tartaglione, ein ehemaliger Polizist und verurteilter Vierfachmörder, erklärte später, der Brief habe versteckt in einem Buch gelegen.

Das Schreiben stammt demnach aus einer Zeit wenige Tage nach einem ersten Vorfall im Gefängnis, bei dem Epstein mit Verletzungen am Hals gefunden worden war. Behörden sprachen damals von einem mutmaßlichen Suizidversuch.

Auf dem nun veröffentlichten Zettel heißt es unter anderem: „Sie haben monatelang gegen mich ermittelt – und nichts gefunden!!!“ Weiter schreibt der mutmaßliche Verfasser, es sei „ein Geschenk“, den Zeitpunkt des Abschieds selbst wählen zu können. Der Text endet mit den Worten: „Was soll ich denn tun – in Tränen ausbrechen!! Kein Spaß – lohnt sich nicht.“

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Mehrere amerikanische Medien beschreiben den Ton des Briefes als ungewöhnlich spöttisch und provokativ. Ob das Schreiben tatsächlich von Epstein stammt, ist allerdings weiterhin nicht offiziell bestätigt.  Tartagliones Anwälte hatten das Schreiben nach früheren Angaben durch Handschriftexperten prüfen lassen.

Zweifel und Spekulationen um Epsteins Tod

Der Fall dürfte neue Diskussionen über Epsteins Tod auslösen. Der wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagte Finanzier war am 10. August 2019 tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan gefunden worden. Die offizielle Todesursache lautet Suizid.

Der Tod löste jedoch weltweit Spekulationen und Zweifel aus – auch wegen zahlreicher Pannen und Widersprüche rund um die Überwachung des Gefängnisses. Unter anderem funktionierten Kameras teilweise nicht, Kontrollgänge sollen versäumt oder falsch dokumentiert worden sein.

Die New York Times berichtete zuletzt, der mutmaßliche Abschiedsbrief sei weder in offiziellen Ermittlungen noch in später veröffentlichten Epstein-Unterlagen aufgetaucht. Selbst das amerikanische Justizministerium erklärte demnach, das Dokument nie gesehen zu haben.

Epstein-Fall beschäftigt die USA bis heute

Epstein hatte 2008 in Florida sexuelle Kontakte zu einer Minderjährigen eingeräumt und dafür eine umstritten milde Strafe erhalten. 2019 wurde er erneut festgenommen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, über Jahre minderjährige Mädchen missbraucht und ausgebeutet zu haben.

Der Fall beschäftigt die amerikanische Öffentlichkeit bis heute auch wegen Epsteins Kontakten zu zahlreichen prominenten Politikern, Unternehmern und Celebrities. Seine langjährige Vertraute Ghislaine Maxwell wurde 2022 wegen Beteiligung an dem Missbrauchssystem zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner