Vereinte Nationen

Selbsterklärte Atommacht: Nordkorea weist Pflichten aus dem Atomwaffensperrvertrag zurück

Nordkoreas UNO-Botschafter weist bei der Überprüfungskonferenz in New York westliche Forderungen zurück. Der Atomwaffenstatus seines Landes sei in der Verfassung verankert.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Botschafter Kim Song im Uno-Hauptquartier in New York während einer Sitzung des Sicherheitsrats

Botschafter Kim Song im Uno-Hauptquartier in New York während einer Sitzung des Sicherheitsrats

© Lev Radin/imago

Nordkorea sieht sich nicht an den Atomwaffensperrvertrag (NPT) gebunden. Das erklärte sein UNO-Botschafter Kim Song in einer Stellungnahme, die die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag verbreitete. Anlass ist die elfte Überprüfungskonferenz des Vertrags am Sitz der Vereinten Nationen in New York.

Der Atomwaffensperrvertrag (NPT) ist seit 1970 in Kraft und soll die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindern. Er verpflichtet Nichtatomwaffenstaaten, keine Nuklearwaffen zu erwerben, zugleich garantiert der Vertrag die friedliche Nutzung der Kernenergie. Die fünf im Vertrag anerkannten Atomwaffenstaaten – USA, Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China – verpflichten sich darin zu Verhandlungen über nukleare Abrüstung.

Zwischen den Atommächten USA und Russland gibt es nach dem Auslaufen von New Start am 5. Februar 2026 keine rechtlich bindende Obergrenze für ihre strategischen Atomwaffen mehr. Ein Abkommen von 1988 verpflichtet Washington und Moskau weiterhin, Starts von Interkontinental- und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen mindestens 24 Stunden vorher anzukündigen. Das Abkommen begrenzt aber keine Sprengköpfe, Trägersysteme oder Stationierungen.

Die USA stiegen 2002 aus dem ABM-Vertrag aus, der die Raketenabwehrsysteme der USA und der damaligen Sowjetunion beziehungsweise Russlands begrenzte. Beim INF-Vertrag, der landgestützte Mittelstreckenraketen mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern verbot, kündigte Washington 2019 den Ausstieg an und verwies auf das russische Raketensystem 9M729, das nach Darstellung der Nato gegen den Vertrag verstieß. Moskau bestritt das. Auch den Vertrag über den Offenen Himmel, der gegenseitige militärische Beobachtungsflüge erlaubte, kündigten zuerst die USA. Ihr Austritt wurde 2020 wirksam, Russland verließ das Abkommen 2021.

Nordkorea verteidigt Atomwaffenbesitz

UNO-Botschafter Kim warf den USA und mehreren westlichen Staaten in seiner Stellungnahme laut KCNA vor, den Atomwaffenstatus seines Landes grundlos infrage zu stellen. Der Besitz von Atomwaffen sei rechtmäßig und Ausdruck des Rechts auf Selbstverteidigung. Kim sagte, die Demokratische Volksrepublik Korea habe ihr Austrittsrecht nach Artikel zehn des Atomwaffensperrvertrags wahrgenommen. Der Status als Atomwaffenstaat ändere sich nicht durch Forderungen von außen und sei in der Verfassung festgeschrieben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap weist darauf hin, dass die Stellungnahme kurz vor einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der kommenden Woche fällt. Nordkorea könnte dort Thema sein.

Austritt 2003 und sechs Atomtests

Nordkorea war 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten und führte seither sechs Atomtests durch. Darauf folgten mehrere Sanktionsrunden des Uno-Sicherheitsrats. Das Land verfügt nach Schätzungen über mehrere Dutzend Sprengköpfe.

Der Atomteststoppvertrag von 1996 verbietet Nukleartests, gilt aber bis heute nicht voll. Der Atomwaffenverbotsvertrag trat 2021 in Kraft, bindet jedoch nur seine Vertragsstaaten und nicht die Atommächte selbst. Anfang 2025 verfügten die neun Atomwaffenstaaten – Russland, USA, Frankreich, Großbritannien, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea – zusammen über 12.241 Sprengköpfe. Das geht aus Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hervor. Auf die USA und Russland entfallen davon knapp 90 Prozent.

Nordkoreas Führung stellt Atomwaffen seit Jahren als unverzichtbare Sicherheitsgarantie für den Fortbestand des Staates dar. Pjöngjang weist daher regelmäßig Forderungen zurück, sein Atomwaffenprogramm gegen wirtschaftliche Vorteile oder Sicherheitszusagen aufzugeben.

Die Teilung Koreas entlang des 38. Breitengrads geht auf die Nachkriegsordnung nach 1945 zurück. Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 endete nicht mit einem Friedensvertrag, sondern mit einem Waffenstillstand; die entmilitarisierte Zone markiert bis heute eine der schärfsten militärischen Trennlinien der Welt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner