Energiekrise

Ölpreise: Iran-Krieg beschert Shell Rekordgewinne

Der britische Ölkonzern Shell verdient deutlich mehr als erwartet. Vor allem heftige Preisschwankungen und Unsicherheit durch den Krieg zwischen Israel und dem Iran treiben das Geschäft an.

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Hohe Ölpreise und heftige Schwankungen auf den Energiemärkten treiben den Gewinn des Ölkonzerns Shell nach oben.

Hohe Ölpreise und heftige Schwankungen auf den Energiemärkten treiben den Gewinn des Ölkonzerns Shell nach oben.

© imago

Der britische Ölkonzern Shell verdient deutlich mehr als erwartet – und profitiert dabei auch von den Turbulenzen rund um den Iran-Krieg. Besonders das Handelsgeschäft mit Öl und Gas brachte dem Unternehmen Milliarden ein.

Shell meldete am Donnerstag für das erste Quartal einen bereinigten Gewinn von 6,9 Milliarden US-Dollar. Das ist der höchste Quartalsgewinn seit zwei Jahren und deutlich mehr als von Analysten erwartet. Zugleich kündigte der Konzern eine Erhöhung der Dividende um fünf Prozent an.

Der Krieg im Nahen Osten sorgt zwar gleichzeitig für Produktionsausfälle und höhere Schulden bei Shell. Vor allem die extremen Preisschwankungen und die Unsicherheit auf den Energiemärkten treiben jedoch das Handelsgeschäft der großen europäischen Ölkonzerne an.

Europäische Ölkonzerne profitieren von Chaos

Besonders stark entwickelte sich bei Shell der Bereich Raffinerien und Ölhandel. Dort stieg der Gewinn auf 1,93 Milliarden US-Dollar – deutlich mehr als erwartet und mehr als viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Reuters und das Wall Street Journal berichten, dass europäische Konzerne wie Shell, BP und TotalEnergies derzeit stärker von den Turbulenzen profitieren als ihre amerikanischen Konkurrenten.

Der Grund liegt vor allem im großen Handelsgeschäft der Europäer. Shell und andere Konzerne verdienen nicht nur an hohen Ölpreisen, sondern auch daran, Lieferungen umzuleiten, Engpässe auszunutzen und auf heftige Marktbewegungen zu reagieren.

Seit Beginn des Krieges Ende Februar schwankten die Ölpreise massiv. Zeitweise stieg der Preis für ein Barrel Brent-Öl auf deutlich über 100 US-Dollar. Analysten sprechen von einer der stärksten Marktverwerfungen seit Jahren.

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Iran-Krieg beschädigt gleichzeitig Shell-Anlagen

Der Konflikt belastet Shell jedoch auch direkt. Das Unternehmen meldete Produktionsausfälle in Katar, nachdem Teile der Pearl-Anlage beschädigt worden waren. Die Reparaturen könnten laut Konzern etwa ein Jahr dauern.

Für das laufende Quartal erwartet Shell deshalb einen deutlichen Rückgang der Gasproduktion und geringere LNG-Mengen. Auch die Verschuldung stieg wegen der Lieferprobleme und der extremen Preisschwankungen. Shell reduzierte deshalb sein Aktienrückkaufprogramm von 3,5 auf 3 Milliarden US-Dollar pro Quartal. Finanzchefin Sinead Gorman erklärte laut Reuters, der Konzern wolle mehr Geld für die Bilanz und mögliche Belastungen zurückhalten. Gleichzeitig betonte sie, Shell sei weiterhin finanziell stark aufgestellt.

Kritik an „Kriegsgewinnen“

In britischen Medien lösten die neuen Milliardengewinne erneut Kritik aus. Der Guardian sprach von „Windfall Profits“, also Krisen- oder Zufallsgewinnen durch den Krieg. Klimaaktivisten und Verbraucherorganisationen werfen den Ölkonzernen vor, von geopolitischen Krisen zu profitieren, während Verbraucher unter hohen Energie- und Spritpreisen leiden.

Auch andere Energiekonzerne meldeten zuletzt starke Ergebnisse. BP übertraf mit einem Quartalsgewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar ebenfalls die Erwartungen. Reuters berichtete bereits vergangene Woche von einem regelrechten Handelsboom bei Europas großen Ölkonzernen infolge des Iran-Krieges.

Zuletzt fielen die Ölpreise allerdings wieder etwas zurück. Auslöser waren Hoffnungen auf eine mögliche Annäherung zwischen Washington und dem Iran. Der Iran prüft nach eigenen Angaben derzeit einen US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges am Persischen Golf. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei sagte laut der Nachrichtenagentur ISNA, Teheran werde seine Antwort nach Abschluss der Beratungen via Pakistan übermitteln. Über das iranische Atomprogramm werde derzeit nicht verhandelt.

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