Gesundheit

„Das ist nicht Covid“: WHO warnt trotzdem vor weiteren Hantavirus-Fällen

Die WHO hält nach dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ weitere Infektionen für möglich. Zugleich betonen Experten, das Virus verbreite sich völlig anders als Corona.

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WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hat sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Hantavirus geäußert.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hat sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Hantavirus geäußert.

© AFP

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält weitere Infektionen nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ für möglich. Die Inkubationszeit der seltenen Andes-Variante könne „bis zu sechs Wochen“ betragen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Genf. Gesundheitsbehörden mehrerer Länder verfolgen inzwischen Kontaktpersonen der Passagiere.

Zugleich bemühte sich die WHO, Sorgen vor einer neuen Pandemie zu dämpfen. Es handle sich nicht um Covid und die Ausbreitung erfolge sehr anders als bei Corona oder Influenza. Die WHO rechne derzeit nicht mit einer größeren Epidemie.

WHO bestätigt fünf Infektionen und drei Todesfälle

Nach Angaben der WHO wurden bislang acht Verdachtsfälle registriert, fünf davon seien inzwischen bestätigt. Drei Menschen starben bereits. Der erste bekannte Patient war ein 70 Jahre alter Niederländer, der laut WHO am 6. April Symptome entwickelte und am 11. April an Bord starb. Weil zunächst kein Verdacht auf Hantavirus bestand, wurden damals keine Proben genommen.

Seine 69-jährige Ehefrau verließ das Schiff später auf der Atlantikinsel St. Helena. Ihr Zustand verschlechterte sich während eines Fluges nach Johannesburg in Südafrika, wo sie am 26. April starb. Als drittes Opfer starb am 2. Mai eine deutsche Passagierin, die zuvor am 28. April Symptome gemeldet hatte. Ein weiterer Patient wurde von Bord evakuiert und liegt weiterhin auf einer Intensivstation in Südafrika.

Unterdessen bestätigte das niederländische Forschungsinstitut RIVM einen weiteren Fall. Ein aus dem Kreuzfahrtschiff in die Niederlande evakuierter Patient sei positiv auf das Hantavirus getestet worden, teilte das Radboud-Universitätsklinikum in Nijmegen mit. Ein weiterer Erkrankter liegt weiterhin auf einer Intensivstation in Südafrika.

Warum die Andes-Variante Experten trotzdem beunruhigt

Die WHO betonte mehrfach, dass es sich trotz der internationalen Aufmerksamkeit um eine räumlich begrenzte Situation handle. Nach bisherigen Erkenntnissen ereigneten sich die Übertragungen in einem „geschlossenen Umfeld mit engem Kontakt“ an Bord des Kreuzfahrtschiffs.

Das Hantavirus wird normalerweise durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen – etwa über Urin, Speichel oder Kot. Menschen infizieren sich meist beim Einatmen aufgewirbelter Viruspartikel. Die jetzt nachgewiesene Andes-Variante gilt als Besonderheit, weil sie in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Nach Angaben der WHO geschieht dies allerdings nur bei engem und längerem Kontakt mit symptomatischen Personen.

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Die ersten Symptome ähneln häufig einer Grippe. Erkrankte leiden zunächst oft unter Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit sowie Übelkeit. In schweren Fällen kann sich daraus innerhalb weniger Tage ein lebensgefährliches Lungenversagen entwickeln.

„Das ist nicht SARS-CoV-2. Das ist nicht der Beginn einer neuen Covid-Pandemie“, sagte WHO-Expertin Van Kerkhove. Die WHO betonte, das Virus verbreite sich „sehr, sehr anders“ als Corona oder Influenza. Die Inkubationszeit der Andes-Variante kann allerdings bis zu sechs Wochen betragen. Genau das erschwert derzeit die internationale Nachverfolgung der Kontakte von Passagieren der „Hondius“.

WHO verfolgt Spur der ersten Infizierten durch Südamerika

Tedros bestätigte zudem, dass die ersten bekannten Infizierten vor der Kreuzfahrt durch Argentinien, Chile und Uruguay gereist waren. Das niederländische Ehepaar habe an Vogelbeobachtungsausflügen teilgenommen und Orte besucht, an denen Nagetierarten vorkommen, die das Virus übertragen können.

Die WHO arbeite nun eng mit den Behörden in Argentinien zusammen, um die Bewegungen des Paares nachzuvollziehen. Bereits zuvor hatten argentinische Ermittler eine Spurensuche in den Wäldern Patagoniens begonnen.

Streit um Ankunft auf den Kanaren

Unterdessen wächst in Spanien die politische Debatte über die geplante Ankunft der „Hondius“ auf Teneriffa. Die Regionalregierung der Kanarischen Inseln hatte sich gegen das Einlaufen des Schiffes ausgesprochen und der Zentralregierung in Madrid mangelnde Informationen vorgeworfen.

Tedros verteidigte die Entscheidung ausdrücklich. Die WHO habe Spanien offiziell gebeten, das Schiff aufzunehmen. Das Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung der Kanaren sei „niedrig“. Nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García soll das Schiff vor Teneriffa vor Anker bleiben und nicht regulär im Hafen anlegen. Passagiere sollen nur unter Schutzmaßnahmen an Land gebracht werden.

Auch Marokko wurde unfreiwillig Teil des internationalen Kriseneinsatzes. Nach Berichten des marokkanischen Mediums Le Desk verweigerte das Land einem Ambulanzflugzeug mit zwei Hantavirus-Patienten eine Tanklandung in Marrakesch. Der Learjet musste daraufhin auf Gran Canaria zwischenlanden. Dort kam es zusätzlich zu technischen Problemen, weshalb die Patienten stundenlang auf ein Ersatzflugzeug warten mussten.

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