Im Persischen Golf treibt vor der iranischen Öl-Insel Kharg ein Ölteppich, der sich nach Schätzungen von Fachleuten über mehrere Dutzend Quadratkilometer erstreckt. Das geht aus Satellitenaufnahmen hervor, die von der in Großbritannien ansässigen Organisation Conflict and Environment Observatory (CEOBS) am Freitag veröffentlicht wurden. Es handle sich um einen der größten bislang im Golf seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar registrierten Ölteppiche, teilte CEOBS auf der Plattform X mit.
Das Bild sei „visuell mit Öl vereinbar“, sagte CEOBS-Forscher Leon Moreland der Nachrichtenagentur Reuters. Er schätzte die betroffene Fläche auf rund 45 Quadratkilometer. Die New York Times berichtete unter Berufung auf eine Auswertung des Unternehmens Orbital EOS zudem, der Ölteppich habe sich am Donnerstag auf mehr als 50 Quadratkilometer ausgedehnt. Demnach könnten mehr als 3000 Barrel Öl ausgetreten sein. Laut CEOBS treibt der Teppich nach Süden in Richtung saudi-arabischer Gewässer.
Ursache für Ölteppich im Persischen Golf bislang unklar
Die Ursache des mutmaßlichen Lecks ist nach Angaben der Beobachter bislang nicht bekannt. Der von Iran Open Data tätige Energieexperte Dalga Khatinoglu nannte gegenüber der New York Times als mögliche Quelle einen Bruch in einer Unterwasserpipeline zwischen Kharg und dem Offshore-Ölfeld Abuzar. Die jahrzehntealte Leitung sei in den vergangenen Jahren wiederholt undicht gewesen, zuletzt im Oktober 2024.
Nima Shokri, Professor an der Technischen Universität Hamburg, sagte der New York Times, die US-Seeblockade habe das iranische Ölsystem „wahrscheinlich in einen gefährlichen Zustand gebracht. Ölquellen ließen sich nicht beliebig abschalten und wieder anfahren, ohne Schäden an Bohrlöchern oder Lagerstätten zu riskieren.
Kharg ist zentraler Exportknoten
Über die im Norden des Persischen Golfs gelegene Insel Kharg werden nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP normalerweise rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt, ein Großteil davon nach China. US-Präsident Donald Trump hatte Ende März gedroht, die Insel zu „vernichten“, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht wieder für den Schiffsverkehr freigeben. Im April folgten schließlich Angriffe auf die Insel.
Die US-Marine blockiert nach Angaben von Reuters weiterhin iranische Häfen. Infolge der Sperrung der Meerenge sitzen demnach hunderte Handelsschiffe, darunter zahlreiche Öltanker, im Golf fest. Keyvan Hosseini von der Universität Southampton warnte in der New York Times, ein Ölaustritt nahe Kharg könne Fischbestände, Küstengemeinden, Entsalzungsanlagen und empfindliche Lebensräume im Golf gefährden.
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