Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als im August 1996 mein Telefon klingelte und sich der MDR, die federführende Rundfunkanstalt für den neuen Kinderkanal, meldete. Das Vorstellungsgespräch habe einen positiven Eindruck hinterlassen und ich könnte im November in der Redaktion Eigenproduktion in Erfurt beginnen. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Mit 27 noch nicht ganz mit dem Studium fertig und schon eine feste Stelle, noch dazu bei einem völlig neuen Sender, nur für Kinder, besser hätte es nicht laufen können. Die nächsten Monate waren aufregend, fordernd, kreativ. Doch das änderte sich bald.
Als Ossi verstand ich die komplizierten Strukturen von ARD und ZDF nicht immer, konnte beispielsweise nicht nachvollziehen, warum die Kirchen einen so großen Einfluss hatten. Und ein harmloser Defa-Film wie „Sieben Sommersprossen“, in dem zwei verliebte Teenager nackt, aber keusch auf der Wiese liegen und sich Butterblumen ins Haar stecken, von den Westkollegen als ungeeignet für das Abendprogramm abgelehnt wurde. Heute denke ich, vielleicht wäre es ganz gut, wenn sich wenigstens die Kirchen kritisch zu Wort melden würden angesichts dessen, was beim Kika inzwischen so herumflimmert.
Medienkolumne
Was soll das? – Öffentlich-rechtliches Ideologiefernsehen für Kinder
Seit unsere Autorin vor fast genau 30 Jahren den Kinderkanal mit zum Laufen brachte, hat sich viel verändert. Sie hat als ehemalige Kollegin jetzt ein paar Fragen.
Annekatrin Mücke
7 Min
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Kika-Figuren in Erfurt: Bei Käptn Blaubär und Hein Blöd weiß man, dass der eine Lügengeschichten erzählt und der andere nicht der Hellste ist.
© Imago
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