In Nairobi hat am Montag der Africa Forward Summit begonnen. Mehr als 30 afrikanische Delegationen nehmen an dem zweitägigen Treffen teil, das der kenianische Präsident William Ruto gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ausrichtet. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters.
Erster Gipfel in einem englischsprachigen Land
Es ist der erste Afrika-Frankreich-Gipfel in einem englischsprachigen Land. Bisher hatte Paris solche Treffen seit den 1970er-Jahren nur in französischsprachigen Staaten abgehalten. Reuters zufolge sucht Frankreich neue Partner, weil sein Einfluss in mehreren früheren Kolonien geschwunden ist.
Nach Putschen in Mali, Burkina Faso und Niger seit 2020 mussten französische Truppen abziehen. Im Juli 2025 übergab Frankreich zudem seinen letzten großen Militärstützpunkt im Senegal. Präsident Bassirou Diomaye Faye hatte erklärt, französische Stützpunkte seien mit der Souveränität des Landes nicht vereinbar.
Abkommen für Terminal in Mombasa
Bei einem Staatsbesuch am Sonntag kündigten Macron und Ruto Verträge im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar an. Im Mittelpunkt steht eine Investition der französischen Reederei CMA CGM über 700 Millionen Euro. Damit soll ein Terminal im kenianischen Hafen Mombasa modernisiert werden. Nach Angaben des Branchenportals Afrimag soll der Ausbau Containerschiffe der neuen Generation aufnehmen und den Handel in Ost- und Zentralafrika stärken.
Vor dem Gipfel unterzeichneten beide Länder elf Absichtserklärungen, wie die kenianische Rundfunkanstalt KBC berichtet. Vereinbart wurden unter anderem die Modernisierung der Pendlerbahn in Nairobi, ein Gemeinschaftsunternehmen für Hafen- und Logistikinfrastruktur, der Ausbau des Windparks Kipeto um 100 Megawatt und eine Zusammenarbeit bei nachhaltigen Flugkraftstoffen. Ruto sagte laut KBC, Kenia wolle französische Technik für den Aufbau ziviler Atomkraft nutzen und so 10.000 Megawatt Strom erzeugen.
Macron wirbt für strategische Eigenständigkeit
Bei einer Diskussion mit jungen Unternehmern sagte Macron laut Reuters, Afrika und Frankreich seien gleichberechtigte Partner. Viele Lösungen kämen aus den USA oder China; Europa und Afrika müssten ihre strategische Eigenständigkeit gemeinsam stärken. Am Gipfel nehmen auch Vertreter französischer Konzerne wie TotalEnergies und Orange teil.
Kenia will Ergebnisse des Treffens beim G7-Gipfel im kommenden Monat im französischen Évian-les-Bains einbringen. Frankreich hat derzeit den jährlich wechselnden Vorsitz der Gruppe und hat Ruto eingeladen. Außenminister Musalia Mudavadi nannte gegenüber Reuters als mögliches Thema eine Reform des globalen Finanzsystems zugunsten hoch verschuldeter afrikanischer Staaten.
Reuters verweist zudem auf einen Rückschlag: Im vergangenen Jahr kündigte Rutos Regierung einen Vertrag über 1,5 Milliarden Dollar zum Ausbau einer Autobahn mit einem vom französischen Konzern Vinci geführten Konsortium und vergab das Projekt an chinesische Unternehmen.
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