Der US-Bundesstaat Texas hat den Streaminganbieter Netflix verklagt. Das teilte der Generalstaatsanwalt in einer Pressemitteilung mit. Vorgeworfen werden dem Unternehmen das heimliche Sammeln von Nutzerdaten sowie eine bewusst suchterzeugende Gestaltung der Plattform. Der Streamingriese habe Kinder und Konsumenten „ausspioniert“.
Die von Generalstaatsanwalt Ken Paxton am Montag bei einem Gericht im Bezirk Collin County eingereichte Klage stützt sich auf das texanische Gesetz gegen irreführende Geschäftspraktiken. Netflix habe Verbrauchern jahrelang versichert, keine Nutzerdaten zu sammeln oder weiterzugeben, heißt es in der Klageschrift. Tatsächlich habe das Unternehmen Sehgewohnheiten und Vorlieben erfasst und an kommerzielle Datenhändler sowie Werbetechnologie-Firmen verkauft und damit Milliarden eingenommen.
In der Klageschrift wird der Mitgründer und frühere Vorstandschef Reed Hastings mit der Aussage aus dem Jahr 2020 zitiert, Netflix „sammle nichts“. Damit habe sich das Unternehmen bewusst von Konzernen wie Amazon, Facebook und Google abgegrenzt. „Wenn Sie Netflix schauen, schaut Netflix Ihnen zu“, heißt es in der Klage laut der Nachrichtenagentur Reuters.
Vorwurf des Suchtdesigns
Paxton wirft Netflix zudem vor, mit sogenannten „Dark Patterns“ das Sehverhalten gezielt zu verlängern. „Dark Patterns“ sind Designelemente auf Webseiten, in Apps oder auf digitalen Plattformen, die Nutzer gezielt zu einem bestimmten Verhalten verleiten sollen – oft entgegen ihren eigenen Interessen. Im konkreten Fall der Netflix-Klage nennt der texanische Generalstaatsanwalt als Beispiel die Autoplay-Funktion: Sobald eine Folge oder ein Film endet, startet automatisch der nächste Inhalt. Nutzer müssen aktiv eingreifen, um das Weiterschauen zu stoppen.
Die Klage verweist auf frühere Verfahren, in denen Geschworene Plattformen wie Facebook und YouGoogle-Tochter YouTube ein suchterzeugendes Design bescheinigt hätten, wie das Portal Politico berichtet.
Der texanische Generalstaatsanwalt fordert unter anderem, dass Netflix die rechtswidrig erhobenen Daten löscht, die automatische Wiedergabe in Kinderprofilen abschaltet und Bußgelder von bis zu 10.000 US-Dollar pro Verstoß zahlt.
Netflix weist Vorwürfe zurück
Ein Sprecher von Netflix wies die Vorwürfe zurück. „Bei allem Respekt vor dem großartigen Bundesstaat Texas und Generalstaatsanwalt Paxton: Diese Klage entbehrt jeder Grundlage und stützt sich auf ungenaue und verzerrte Informationen“, erklärte er.
Das Unternehmen nehme den Schutz der Privatsphäre seiner Mitglieder ernst und halte sich an die Datenschutzgesetze in allen Ländern, in denen es tätig sei. Netflix verwies zudem auf eigene Kindersicherungen und kündigte an, sich vor Gericht zu verteidigen.
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