Luftverkehr

Flughafenverband warnt: Golfkrise verteuert Tickets auf Asien-Routen

Der Verband beziffert das Minus an neun Flughäfen im Nahen Osten auf bis zu eine Milliarde Dollar. Stark betroffen sind Flüge zwischen Asien und westlichen Zielen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Der Golfkonflikt belastet große Drehkreuze im Nahen Osten und könnte auch im Sommerflugplan spürbar bleiben.

Der Golfkonflikt belastet große Drehkreuze im Nahen Osten und könnte auch im Sommerflugplan spürbar bleiben.

© Marcin Golba/imago

Der internationale Flughafenverband ACI hat am Mittwoch eine Bilanz zu den Folgen des Golfkonflikts für den Luftverkehr in Asien und im Nahen Osten vorgelegt. Er warnt vor weiter hohen Ticketpreisen und zusätzlichen Streichungen im Sommerflugplan.

Stefano Baronci, Generaldirektor des Verbands für die Region Asien-Pazifik und Naher Osten, sagte dem Finanzdienst Bloomberg, das Problem für die Flughäfen sei nicht die Versorgung mit Treibstoff, sondern dessen Preis. Höhere Preise dämpften die Nachfrage. Passagiere müssten sich vorerst auf teurere Tickets einstellen.

Neun Drehkreuze nur halb ausgelastet

Die Untersuchung hat der Verband gemeinsam mit der Beratungsfirma Flare Aviation Consulting erstellt. Demnach wickelten neun große Flughäfen im Nahen Osten von Kriegsbeginn bis Ende April im Schnitt nur 53 Prozent der geplanten Flüge ab. Am ersten Tag des Konflikts sei die Kapazität auf 32 Prozent gefallen, bis Ende April habe sie sich auf rund 63 Prozent erholt. 2025 hätten diese neun Flughäfen zusammen 324 Millionen Passagiere abgefertigt, etwa 70 Prozent des gesamten Verkehrs in der Region.

Der Krieg begann am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Der Iran reagierte mit Attacken auf Israel, US-Stützpunkte und Golfstaaten. Zugleich wurde eine neue Front im Libanon eröffnet. Eine am 8. April verkündete und am 21. April verlängerte Waffenruhe zwischen den USA und Iran hält derzeit, ein endgültiges Abkommen über ein Kriegsende steht aber weiter aus.

Die Einnahmeausfälle der Flughäfen beziffert der Verband auf 900 Millionen bis eine Milliarde Dollar, gemessen an einem geplanten Umsatz von 1,3 bis 1,4 Milliarden Dollar. Rund 27 Millionen Passagiere seien nicht wie vorgesehen geflogen, ein Rückgang von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei der Luftfracht meldet der Verband ein Minus von 52 Prozent oder etwa 620.000 Tonnen.

Tickets teurer, Gebühren unverändert

Die Preise für Direktflüge zwischen Asien und westlichen Zielen lagen laut ACI im März bei 185 Prozent des Niveaus, das Umsteigeverbindungen über den Nahen Osten im Jahr 2025 hatten. Vor dem Krieg hatten Direktverbindungen nur etwa 20 Prozent mehr gekostet. Für Juli und August lagen Flugpreise von und nach Nahost im Schnitt noch rund 50 Prozent über dem Vorkriegsniveau.

Als Hauptgrund nennt der Verband den geringeren Wettbewerb: Der Verkehr weiche stärker auf europäische und asiatische Fluggesellschaften aus. Die Flughäfen erhobenen Gebühren seien dagegen unverändert geblieben.

Bei der Treibstoffversorgung bezeichnet der Verband die Lage auf Basis einer Umfrage unter 28 Flughafenbetreibern als stabil. Die meisten Flughafenbetreiber verfügten über Vorräte für zehn bis 20 Tage. Bloomberg berichtet zudem, der Kerosinpreis sei zeitweise auf mehr als 200 Dollar je Barrel gestiegen und liege derzeit bei rund 150 Dollar.

Baronci zeigte sich gegenüber Bloomberg „vorsichtig optimistisch“, eine Erholung hänge jedoch vom weiteren Konfliktverlauf, den Treibstoffmärkten und dem Wiederaufbau der Netze ab.

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Europas Airlines weiten Angebot aus

Die Nachrichtenagentur Reuters verweist in einer Analyse vom Dienstag darauf, dass Kerosin in Europa umgerechnet rund 165 Dollar je Barrel kostet, etwa 60 Prozent mehr als vor dem Krieg. Dennoch solle das innereuropäische Flugangebot in diesem Sommer um mehr als fünf Prozent steigen, schreibt Reuters unter Berufung auf Daten des Luftfahrt-Datendienstes Cirium.

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