Es gibt offenbar Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Technologie wie Smartphones und sinkenden Geburtenraten, wie die Financial Times berichtet. Während insbesondere entwickelte Länder bereits seit Jahrzehnten niedrige Geburtenraten verzeichnen, hat sich das Phänomen dem Bericht zufolge seit rund zehn Jahren beschleunigt.
Die UN veröffentlichte im Jahr 2024 einen Bericht, laut dem die Geburtenrate in mehr als der Hälfte der Länder und Regionen weltweit unter 2,1 Kindern pro Frau liegt – die Anzahl, mit der die Bevölkerung ohne Zuwanderung langfristig konstant bleibt. Dies sei nun bei zwei Dritteln der 195 Länder der Welt der Fall, berichtet die Financial Times. In 66 Ländern liege der Durchschnitt eher bei eins als bei zwei Kindern.
Sinkende Geburtenraten betreffen auch ärmere Länder
Der Geburtenrückgang erfasst dem Bericht zufolge zunehmend auch ärmere Länder. 2023 sei Mexikos Geburtenrate erstmals unter die der USA gefallen. Auch Länder wie Brasilien, Tunesien, Iran und Sri Lanka weisen demnach inzwischen ähnlich niedrige Geburtenraten auf. Zahlreiche Faktoren tragen demnach zu einem Rückgang der Geburtenraten bei, doch er scheint laut Financial Times auch mit Technologiekonsum zusammenzuhängen.
Aus einer 2025 veröffentlichten Studie des Demografen Stephen Shaw ging dem Bericht zufolge hervor, dass sich die Zahl der Kinder pro Mutter in den meisten Industriestaaten stabilisiert habe. Jedoch sinke der Anteil der Frauen, die Kinder bekommen, auch wegen fehlender Partnerschaften.
Insbesondere in reichen Ländern wie den USA oder Großbritannien lassen sich sinkende Geburtenraten teilweise durch einen Rückgang des Wohneigentums erklären und durch einen Anstieg junger Menschen, die bei ihren Eltern wohnen, so die Financial Times. Das erkläre jedoch nicht den jüngsten Rückgang und das globale Ausmaß des Geburtenrückgangs.
Verbreitung von Smartphones
Eine im April veröffentlichte Studie von Forschern der Universität von Cincinnati untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Ausbau von 4-G Mobilfunknetzen und Geburtenraten von Jugendlichen in den USA sowie England und Wales. In Regionen mit früher Versorgung sei die Geburtenrate zuerst und am stärksten gefallen. Die Autoren argumentierten, dass eine steigende Smartphone-Nutzung offenbar zu einer Reduzierung persönlicher Kontakte beiträgt.
Möglicherweise tragen soziale Medien laut Financial Times auch dazu bei, gesellschaftliche Herausforderungen wie Wohnungsprobleme stärker sichtbar zu machen, was ein Gefühl von Besorgnis verstärken könnte.
Die Zeitung berichtete unter Berufung auf eigene Auswertungen, dass sich diese Entwicklung auch in anderen Ländern zeige. In den USA, Großbritannien und Australien seien die Geburtenraten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 2007 deutlich gesunken, in Frankreich und Polen ab etwa 2009, in Mexiko, Marokko und Indonesien ab 2012.
In Ghana, Nigeria und Senegal habe der Rückgang zwischen 2013 und 2015 eingesetzt. Alle Zeitpunkte fielen dem Bericht zufolge mit der Massenverbreitung von Smartphones im jeweiligen Land zusammen, gemessen an Google-Suchanfragen nach mobilen Apps. Weitere Studien hätten bereits in der Vergangenheit einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Besitz eines Fernsehers und sinkenden Geburtenraten gezeigt.
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