Weltwirtschaft

Indiens Premier Modi warnt vor Rückkehr der weltweiten Massenarmut

Die Energiekrise infolge der Hormus-Blockade belastet die Weltwirtschaft. Der indische Regierungschef sieht jahrzehntelange Fortschritte bei der Armutsbekämpfung in Gefahr.

3 Min
Indiens Premierminister Narendra Modi blickt mit Sorge in die Zukunft.

Indiens Premierminister Narendra Modi blickt mit Sorge in die Zukunft.

© Niharika Kukarni/AFP

Indiens Premierminister Narendra Modi hat eindringlich vor einem weltweiten wirtschaftlichen Rückschlag und einer Rückkehr massiver Armut gewarnt. Bei einer Veranstaltung mit der indischen Gemeinschaft in Den Haag sagte er am Samstag, die Welt stehe vor neuen Herausforderungen.

„Zuerst kam Corona, dann begannen Kriege, und jetzt gibt es eine Energiekrise. Dieses Jahrzehnt entwickelt sich zu einem Jahrzehnt der Katastrophen für die Welt“, sagte Modi auf Hindi laut der Hindustan Times. Werde nicht rasch gegengesteuert, würden die Errungenschaften vieler Jahrzehnte hinweggespült und ein großer Teil der Weltbevölkerung in Armut zurückfallen.

Modi äußerte sich während der zweiten Etappe seiner Reise durch fünf europäische Länder. Hintergrund seiner Warnung sind nach Angaben der Hindustan Times die anhaltenden Konflikte in Westasien, insbesondere nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran, sowie die daraus resultierende Energiekrise.

Appell zur Sparsamkeit und Preiserhöhung an Tankstellen

Bereits vor seiner Europareise hatte Modi in Hyderabad seine Landsleute zu freiwilligen Sparmaßnahmen aufgerufen. Wo immer möglich, solle von zu Hause gearbeitet, auf Auslandsreisen verzichtet und weniger Gold gekauft werden. Kraftstoffsparen und das Schonen von Devisenreserven bezeichnete er als „Patriotismus“.

Am vergangenen Freitag erhöhten die staatlichen Mineralölkonzerne Indian Oil, Bharat Petroleum und Hindustan Petroleum die Preise für Benzin und Diesel erstmals seit vier Jahren um drei Rupien pro Liter. In Neu-Delhi kostet Benzin nun 97,77 Rupien, Diesel 90,67 Rupien je Liter. Analysten erwarten laut Hindustan Times Folgen für Haushaltsausgaben, Frachtraten und Fabrikpreise bis in den Sommer.

Die Regierungspartei BJP verteidigte die Erhöhung mit dem Hinweis, Indien habe seine Bürger länger als andere Staaten vor dem globalen Ölpreisschock geschützt. Die Opposition wies darauf hin, dass Modis Spar-Appell erst nach Abschluss wichtiger Regionalwahlen erfolgt sei.

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Straße von Hormus im Zentrum der Krise

Auslöser der aktuell angespannten Lage ist die Schließung der Straße von Hormus im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Durch die Meerenge werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels abgewickelt. Die Internationale Energieagentur spricht laut dem Bericht von der größten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Indien importiert 90 Prozent seines Öls und bezieht etwa die Hälfte seiner üblichen Rohöllieferungen über die Meerenge.

Andere asiatische Staaten ergreifen ebenfalls drastische Maßnahmen: Die Philippinen riefen laut India News Network als erstes Land den nationalen Energienotstand aus, Südkorea empfahl kürzeres Duschen, Japan setzte die bislang größte Freigabe aus seinen strategischen Ölreserven in Gang.

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