Viele kennen Aram Arami aus „Fack ju Göhte“ oder „Die Drei von der Müllabfuhr“. Jetzt kann man den in Berlin aufgewachsenen Schauspieler zum ersten Mal als TV-Ermittler erleben: Arami ist der Hauptdarsteller im neuen ARD-Saarland-Krimi.
Der Kriminalhauptkommissar Tayfun Can ist, wie der 33-Jährige selbst sagt, seine erste wirklich erwachsene Rolle. Arami wurde 1993 im Irak geboren, in der Autonomen Region Kurdistan, und kam als Kleinkind mit seinen flüchtenden Eltern nach Deutschland. Er und seine Familie lebten danach ein Jahr in einem Asylheim in Neukölln.
Schon in seiner Jugend nahm Aram Arami regelmäßig privaten Schauspielunterricht. Filmemacher und Agenten wurden erstmals 2006 auf ihn aufmerksam, als er für die Rolle des Onur im Projekt „Vögel ohne Beine“ gecastet wurde. Seither ging es stetig bergauf für den Berliner, der in unserem Fragebogen erzählt, wie diese Stadt auch sein eigenes Leben entscheidend prägte und prägt.
1. Herr Arami, Sie sind 1993 im Autonomiegebiet Kurdistan im Nordirak zur Welt gekommen. Wann hat Ihr Weg Sie nach Berlin geführt?
Wir sind 1996 nach Berlin gekommen. Mein Papa war Staatsanwalt für die kurdische Regierung und zu Zeiten des Saddam-Hussein-Regimes gehörte er zu den stark verfolgten Menschen. Die Flucht war dementsprechend etwas schwerer. Wir sind Gott sei Dank heil in Berlin-Neukölln im Asylheim angekommen.
2. Sie waren noch sehr klein, als Sie hier ankamen. Wie haben Sie Ihre Kindheit in Berlin in Erinnerung, und was hat Sie besonders geprägt?
Meine ersten Erinnerungen fangen im Asylheim an. Es sind eigentlich nur schöne Erinnerungen. Viel spielen, andere Kinder und Spaß. Eigentlich ziemlich unbeschwert. Ich glaube, die Sorgen und den Kummer meiner Eltern habe ich in dem Alter nicht mitbekommen.
3. Wie ging es dann für Sie weiter in Berlin?
Wir sind dann ziemlich schnell in Lichtenberg in unserer ersten Wohnung gelandet. Dort kann ich mich daran erinnern, dass wir keine gern gesehenen Gäste waren. Besonders unser Nachbar hat uns nicht gemocht. Nachts hat er stundenlang gegen die Heizung gehämmert, und es kam bei Begegnungen auch mal zu blöden Kommentaren.
In Lichtenberg groß zu werden, war nicht einfach, weil das damals ein Bezirk war, in dem viele Nazis gelebt haben. Meine Kindheit und frühe Jugend waren von Konfrontationen mit solchen Menschen geprägt. Irgendwann habe ich aber begriffen, dass es gar nicht um mich persönlich geht, sondern dass diese Leute einfach ein sehr beschränktes Denken haben und einfach was gegen Leute mit meinem Aussehen haben. Dadurch bildeten sich sehr früh Gruppen mit Leuten, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Eine Art Zusammenhalt.
Zur Person
4. Sie hatten auch mal eine Bäckerei. Wie kam es denn dazu?
Ich habe schon sehr früh mit der Schauspielerei angefangen und natürlich auch Geld verdient. Mein Papa war der Meinung, dass so viel Geld für so einen jungen Typen nicht so gut sei, und hat es für mich beiseite gepackt. Nach dem Abi hatte ich dann die Wahl: studieren oder selbstständig werden. Die Antwort war für mich ziemlich klar. Also bin ich, jung und naiv wie ich war, einfach in die Bäckerei gelaufen, in der wir uns damals nach dem Unterricht immer Kratzeis gekauft hatten, und habe gesagt: „Ich würde gern den Laden kaufen.“
Der Inhaber hat schnell verstanden, dass ich es ernst meine, und ich sollte meinen Papa dazuholen. Nach einigen Gesprächen haben wir uns darauf geeinigt, dass ich erstmal im Laden arbeite, um alles zu lernen, und dann erst übernehme. Nach drei Monaten war es dann so weit.
5. Und trotzdem sind Sie dann zur Schauspielerei gekommen?
Ich war schon in der Grundschule im Theaterkurs. Nicht weil es mich interessiert hat, sondern weil alles andere sterbenslangweilig war. Irgendwann sprach mein späterer Agent meine Mama und mich beim Einkaufen an und sagte zu ihr: „Ihr Sohn sieht ganz gut aus, kommen Sie mal vorbei.“ Meine Mama war richtig begeistert, ich nicht so ganz.
Nach zwei Wochen Diskussion hat sie mich überredet und ich bin hingegangen. Zweimal die Woche gab es Coachings, wo auch andere Kinder dabei waren, die ich ganz cool fand. Irgendwann fing ich an, das Ganze doch zu mögen, und bin dabeigeblieben. Der Rest ist Geschichte.
6. Wo kaufen Sie heute Ihre Brötchen – und was ist aus Ihrer Bäckerei geworden?
Meine Brötchen kaufe ich beim Bäcker in meiner Straße. Immer mit einem leichten Schmunzeln, weil ich die ganzen Sachen ja kenne. Meine Bäckerei habe ich damals abgegeben. Heute ist dort eine Apotheke.
Schauspielerin Caro Cult: „Prenzlauer Berg ist der beste und der schlimmste Stadtteil Berlins“
Sebastian Tigges: „Ich bin immer wieder erstaunt über den grassierenden Berlin-Verdruss“
7. Welcher ist Ihr Lieblingsort in der Stadt?
Der Tiergarten. Bei so viel Stadtleben und Hektik mag ich es, Kopfhörer aufzusetzen und einfach dort spazieren zu gehen.
8. Ihre persönliche No-go-Area?
Spandau. Irgendwie zieht mich da nichts hin, und es ist auch viel zu weit weg.
9. In welchem Restaurant reservieren Sie für einen gelungenen Abend mit Freunden?
Mein Go-to-Spot ist das Como in der Knesebeckstraße. Tolles Essen, tolle Inhaber, super Ambiente und ein sehr schönes Restaurant, um mit Freunden einen richtig guten Abend zu haben.
10. Einkaufen in der Stadt: In welchem Laden kennt Ihre Kreditkarte kein Limit?
Ich gebe sehr viel Geld für Kleidung, aber vor allem für Parfüm aus. Mein Opa sagte stets: „Sei immer gut gekleidet und hab einen guten Duft drauf. Das ist Respekt vor dir selbst und vor deinem Gegenüber.“ Also in der Parfümerie Delfie am Kudamm und im Mientus in der Wilmersdorfer Straße glüht die Kreditkarte.
11. Der beste Stadtteil Berlins? Und der schlimmste?
Der beste ist Mitte. Da hat man von allem etwas: Citylife, etwas Natur, aber auch gute Bars und Clubs. Der schlimmste ist, denke ich, Spandau. Nichts gegen Spandau, aber irgendwie gehört das nicht mehr zu Berlin. Berliner werden wissen, was ich meine.
12. Was nervt Sie am meisten an der Stadt?
Die unendlich vielen Baustellen, die nie wirklich fertig werden.
13. Wie sieht Ihr perfektes Berlin-Wochenende aus – vom Frühstück am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?
Morgens Kaffee am Checkpoint Charlie, mittags Spaziergang im Tiergarten, nachmittags dann zum Sport, abends ins Como zum Essen und nachts dann den letzten Drink im Sharlie Cheen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]