Der europapolitische Sprecher der BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag, Gunnar Lehmann, hat eine mögliche Übernahme des Mercedes-Werks in Ludwigsfelde durch den Rüstungskonzern KNDS scharf kritisiert. Die Entwicklung am Standort stehe exemplarisch für den wirtschaftlichen Niedergang der Bundesrepublik, erklärte der Abgeordnete aus Ludwigsfelde in einer Mitteilung. „Brandenburg braucht stabile, zivile Industriearbeitsplätze und keine Abhängigkeit von Kriegen in aller Welt.“
Ludwigsfelde: Panzerhersteller KNDS will Mercedes-Werk bei Berlin übernehmen
„Panzerproduktion kann das nicht kompensieren“
Während zivile Industriestandorte schlössen oder ins Ausland verlagert würden, verkaufe die Politik Rüstungsansiedlungen als Antwort auf Deindustrialisierung, so Lehmann. Militärische Investitionen hätten jedoch deutlich geringere wirtschaftliche Effekte als Investitionen in Infrastruktur, Bildung oder Zukunftsindustrien. Die geplante Verlagerung der Transporter-Produktion bis 2030 bedrohe rund 2000 Arbeitsplätze vor Ort. „Doch Panzerproduktion durch KNDS kann das nicht kompensieren“, erklärte der Abgeordnete.
KNDS bestätigt Gespräche mit mehreren Unternehmen
Der Rüstungskonzern KNDS hat offengelassen, ob er mit Mercedes-Benz über eine Übernahme des Werks verhandelt. KNDS befinde sich im Wachstum und suche für den geplanten Hochlauf im Rüstungsbereich nach geeigneten Partnerunternehmen, teilte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. „An Spekulationen zu möglichen Partnern beteiligen wir uns nicht.“ Mit dem Unternehmen Dräxlmaier aus Sachsenheim in Baden-Württemberg habe KNDS bereits einen Partner zur Unterstützung bei der Produktion des Radpanzers Boxer gefunden. Gespräche mit weiteren Kandidaten liefen.
Mercedes prüft Zukunft des Standorts
Im Mercedes-Werk in Ludwigsfelde werden Baumuster des Transporters Sprinter und des E-Sprinters produziert. „Wir gehen davon aus, dass die Kundennachfrage nach diesen beliebten Fahrzeugen über das Jahr 2030 hinaus anhalten wird“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Parallel führe die Geschäftsleitung Gespräche mit dem Betriebsrat zur künftigen Ausrichtung des Standorts, bei denen verschiedene Optionen diskutiert würden. Ziel sei eine zukunftsfähige Lösung, die die Interessen der rund 2000 Beschäftigten berücksichtige. Die IG Metall hatte vor einigen Monaten auf Unsicherheiten für die Zukunft des Werks hingewiesen.
KNDS ging 2015 aus der Fusion des deutschen Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Rüstungsunternehmens Nexter hervor. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern bereits das von der Schließung bedrohte Alstom-Werk in Görlitz übernommen. (mit dpa)
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