Ein Nato-Kampfjet hat über Estland erstmals eine mutmaßlich ukrainische Drohne abgeschossen. Das bestätigte Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur dem baltischen Nachrichtenportal Delfi sowie dem estnischen Rundfunk ERR. Demnach holten rumänische F-16-Kampfjets das Flugobjekt über dem Võrtsjärv-See im Süden des Landes vom Himmel.
Die Drohne sei laut estnischem Militär am Dienstag gegen 12 Uhr Ortszeit aus Russland kommend in den südöstlichen Teil des Landes eingedrungen und um 12.14 Uhr von einem rumänischen Jet, der zur baltischen Luftraumüberwachung im Trainingsflug war, mit einer einzigen Rakete zerstört worden, so die Nachrichtenagentur Reuters. Der Vorfall habe sich unter starker elektronischer Kriegsführung Russlands abgespielt, einschließlich GPS-Störungen.
Das ukrainische Außenministerium wies Moskau eine Mitverantwortung zu. Sprecher Heorhii Tykhyi erklärte laut dem Kyiv Independent, Russland lenke ukrainische Drohnen absichtlich in Nato-Gebiet um, und entschuldigte sich bei Estland und den baltischen Partnern. Verteidigungsminister Pevkur bestätigte gegenüber Delfi ein direktes Gespräch mit dem ukrainischen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der sich für den Vorfall entschuldigt habe.
Auch in Lettland wurde eine Drohne gesichtet
Parallel löste auch Lettland einen Luftalarm aus, nachdem eine Drohne in den lettischen Luftraum eingedrungen war, wie Reuters berichtet. In der Grenzregion zu Russland kam es laut lokalen Medien zu Panikszenen: Züge wurden gestoppt, landesweite Prüfungen für Neuntklässler abgebrochen und Geschäfte geschlossen. Unklar blieb, ob es sich um dieselbe oder eine zweite Drohne handelte.
Seit März sind laut Reuters mehrfach ukrainische Militärdrohnen in den Luftraum der Nato-Staaten Finnland, Lettland, Litauen und Estland abgeirrt. Die lettische Regierung trat vergangene Woche wegen ihres Umgangs mit den Vorfällen zurück. Russlands Verteidigungsministerium meldete laut dem Kyiv Independent den Abschuss von mehr als 300 ukrainischen Drohnen in der Nacht zu Dienstag, unter anderem über den Gebieten Jaroslawl, Moskau und Nowgorod.
Estlands Außenminister Margus Tsahkna erklärte auf X, die Zwischenfälle seien direkte Folge des russischen Kriegs. Lettlands Präsident Edgars Rinkevics wies russische Behauptungen zurück, wonach die Ukraine Angriffe von lettischem Boden aus vorbereite. Beide baltischen Staaten betonten laut Reuters, sie hätten der Ukraine keine Angriffe von ihrem Territorium aus gestattet.
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